Schönheit ohne Schaurigkeit
Sonderausstellung "Schaurig schön – Ungeheuerliches in der Kunst" im KHM Wien
28. 3. 2011 - 23:22
Andrea Koppel
Im Rahmen der Ausstellungsreihe "INTERMEZZO" widmet das Kunsthistorische Museum die dritte Sonderausstellung den Fabelwesen aus Mythen und Märchen. In kleinem Rahmen geben sorgfältig ausgewählte Gebrauchs- und Kunstgegenstände Aufschluss über die Bedeutung mystischer Wesen in der Glaubenswelt früherer Jahrhunderte und erstaunen durch ihre Pracht und detaillierte Ausführung.
Historisches Gruselkabinett mit Lerneffekt?
Der Drache auf dem Plakat wirkt schon recht furchterregend, wie er sein Opfer mit seinen mächtigen Krallen aufschlitzt und dabei das Blut nur so spritzt. Das Sujet vermittelt den Eindruck, als wolle das Kunsthistorische Museum seine Besucher mit dieser Ausstellung das Fürchten lehren. Die Aussicht, Jahrhunderte alte Geschichte als publikumswirksamen Gruselschocker aufbereitet zu sehen macht neugierig auf mehr.
Lehrreich schön statt Schockeffekt
In dem kleinen, dunkel gehaltenen Raum der Ausstellung offenbart sich gleich, dass sich die Erwartung einer veritablen Gänsehaut nicht erfüllen wird. Den Eingang flankieren zwei altägyptische Sphingen. Mit den wohl bekanntesten Fabelwesen wird der Besucher in die Welt der Mythen eingeführt. In einzelnen Abschnitten stellen sich Wesen wie Einhorn, Satyr, Greif und Drache mittels gut aufbereiteter Informationen vor. Verschiedene Kulturschätze bieten dabei einen interessanten Einblick in die historische Glaubenswelt, in der Aberglaube und christliche Religion sehr stark miteinander verflochten waren. So wurde beispielsweise der Stoßzahn des Narwals lange für das Horn eines Ainkhürns gehalten und, kunstvoll bearbeitet, von Königen als vermeintliche Quelle der Kraft und Unverwundbarkeit geschätzt.
Wer nach den ersten Eindrücken glaubt, hier nichts Neues mehr zu finden, sollte sich trotzdem Zeit für die Ausstellung nehmen. Denn in einem Punkt hat die Ankündigung des Kunsthistorischen Museums Wort gehalten: man lernt tatsächlich manches, von dem man dachte, es schon zu wissen. So erstaunt beispielsweise, dass sich der uns bekannte Teufel ursprünglich aus dem antiken Satyr entwickelt hat. Dass sich mit dem bockfüßigen Gesellen immer schon gute Geschäfte machen ließen, beweist übrigens ein eher kurioses Objekt, ein barockes Teufelchen im Glas, das die Habsburger zum unveräußerlichen Gegenstand erklärten. Ob sie damit hofften, den Belzebuben ein für alle Mal dingfest gemacht zu haben, ist allerdings nicht überliefert.
Andere Gegenstände entlocken kein Schmunzeln, sondern beeindrucken durch enorme Liebe zum Detail und eine große Kunstfertigkeit. Ob prachtvolle Rüstungsteile wie ein Helm in Form eines Drachenkopfes oder opulentes Tafelgeschirr – alle Exponate vereinen quer durch die Zeiten höchste Handwerkskunst mit ungeheurer Fantasie und erlesenem Geschmack.
Der Wunsch: Ein passenderes Etikett...
Der Versuch, mit allen Mitteln und, wenn nötig, mit Sensations- und Effekthascherei Besucher anzulocken, hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Das ist schade, weil ein derartiges Brimborium falsche Erwartungen schürt und ernsthaft Interessierte vergrault. Ein Motto wie "Mythen und Realität" hätte den Inhalt besser getroffen und sicher auch Neugier geweckt.
Daten:
Sonderausstellung
Schaurig schön – Ungeheuerliches in der Kunst
15. Februar 2011 bis
1. Mai 2011
Kunsthistorisches Museum
Maria Theresien-Platz
1010 Wien
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