In Erinnerung an die Staufer:
Italienische Lebensart in Mannheim
Eine Stadt besinnt sich auf historische Wurzeln
5. 8. 2010 - 9:00
Pressetext CAB
Mannheim (CAB) – Es ist noch gar nicht allzu lange her, da galt Vielen die Stadt Mannheim vorrangig als Stammsitz bedeutender Industrieunternehmen, gegebenenfalls noch als Hauptort der Metropolregion Rhein-Neckar. Keinesfalls jedoch verortete man die kurpfälzische Stadt im Spitzenkreis der deutschen Kulturreiseziele. Ein großes kulturelles Ereignis verhilft Mannheim nun zu einer völlig neuen Selbstsicht und Außenwahrnehmung. Ab Spätsommer zeigt die Stadt begleitend zur Mittelalterschau "Die Staufer und Italien" ihr mediterranes Gesicht.
Am Anfang stand der Plan der Reiss-Engelhorn-Museen, über dreißig Jahre nach der legendären Stuttgarter Stauferausstellung eine neue Geschichtsschau zur bedeutendsten Herrscherdynastie des Mittelalters auszurichten. Nicht wie seinerzeit der kunsthistorische Vergleich stauferzeitlicher Kunstwerke sollte dabei im Mittelpunkt stehen, sondern die Fragestellung nach Errungenschaften, die aus den von den Kaisern Friedrich Barbarossa, Heinrich VI. und Friedrich II. beherrschten Gebieten dies- und jenseits der Alpen hervorgingen.
Ausstellung zu den Staufern und Italien
So entwickelten die Ausstellungsmacher mit professoraler Unterstützung der Universität Heidelberg das Konzept, ihren Fokus auf drei Kernregionen staufischer Herrschaft, den Rhein-Main-Neckar-Kreis, Oberitalien und das Königreich Sizilien zu richten. Das Projekt, dem höchste landesväterliche Weihen aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen erteilt wurden, erhielt den Titel "Die Staufer und Italien" und das Privileg, die hochkarätigsten mittelalterlichen Kunstwerke von beiderseits der Alpen präsentieren zu können.
Dass große Geschichtsausstellungen eine kaum zu übertreffende Attraktivität für den Städtetourismus haben und in der Lage sind, Hunderttausende an den Schauplatz des Geschehens zu ziehen, weiß man bereits seit den Tagen der Stuttgarter Stauferschau, die sich 1977 zum Besuchermagneten entwickelte und dieses Genre in Deutschland überhaupt erst begründete. In jüngerer Zeit knüpften Großausstellungen wie "Kaiser Heinrich II." 2002 in Bamberg, "Das Heilige Römische Reich" 2006 in Magdeburg oder "Elisabeth von Thüringen" 2007 auf der Wartburg erfolgreich an diese Tradition an.
Imagekampagne mit mediterraner Leichtigkeit
Die Veranstalter betrachten solche Kulturereignisse stets zu recht als Chance, die Vorzüge ihrer Stadt, ja der ganzen Region, einer internationalen Öffentlichkeit vorzustellen, und kreieren begleitend dazu Rahmenprogramme, touristische Angebote und imagebildende Kampagnen. Mannheim, das ähnlich wie die baden-württembergische Schwesterstadt Stuttgart nicht über den Standortvorteil eines mittelalterlichen Memorialorts verfügt, hat die sich bietende Gelegenheit originell und mit mediterraner Leichtigkeit genutzt, Besucher von der Attraktivität der Stadt zu überzeugen. Begleitend zur Ausstellung "Die Staufer und Italien" hoben die Reiss-Engelhorn-Museen das Projekt "Italienische Lebensart in Mannheim" aus der Taufe und setzten auf charakteristische Eigenschaften der Stadt.
Denn unter den 310.000 Einwohnern Mannheims stellen die Italiener mit über 8.000 die größte Zahl an Bürgern, die aus anderen EU-Ländern in die Stadt gekommen sind. Ihre mediterrane Tradition ist seit Langem eine Verbindung mit der kurpfälzischen Vorliebe für Geselligkeit und gutes Essen eingegangen. So bereichert ein besonders breit gefächertes Angebot an italienisch geprägten Geschäften, Restaurants, Spezialitätenläden, Straßencafés und Marktständen das Stadtleben in Mannheims Zentrum.
Entdeckung eines ungehobenen Schatzes
"Die italienische Lebensart war aus kulturtouristischer Sicht ein ungehobener Schatz in Mannheim", berichtet der Koordinator des Stauferjahres, Dr. Alexander Schubert, von den Anfangstagen des Projekts. "Mit der Stauferschau kam die Gelegenheit, diesen hervorzuholen". Was das italienische Leben in Mannheim zu bieten hat, können Ausstellungsbesucher nun in einem 30-seitigen Heftchen nachlesen – der Einladung zu einem, wie Schubert sagt, "italienischen Stadtrundgang, der bisher in keinem Reiseführer zu finden war". Darin finden sich unterhaltsame Porträts von Italienern, die in Mannheim heimisch wurden, wie Dario Fontanella, der Erfinder des Spaghetti-Eises, wie die Familie di Pasquale, die in der Innenstadt einen Supermercato führt, der sonst nur in Mailand, Rom oder Neapel zu finden wäre, oder wie der Juwelier und Goldschmied Alexander Troncone, der in zweiter Generation Italiener und Deutsche mit den typisch italienischen Schmuckstücken aus 750er-Gold versorgt.
Kulturleben unter Grün-Weiß-Roter Flagge
Viele Mannheimer Kulturträger haben sich dem Jahresmotto der "Italienischen Lebensart in Mannheim" angeschlossen und segeln im Herbst gemeinsam mit den Reiss-Engelhorn-Museen buchstäblich unter Grün-Weiß-Roter Flagge. "Kennst Du das Land wo die Zitronen blüh’n?" fragt etwa das Mannheimer Schloss, die zweitgrößte barocke Residenzanlage Europas, und erinnert mit Sonderführungen an die Italiensehnsucht des Kurfürsten Karl Theodor, die sich vor allem im Antikensaal niedergeschlagen hat. Die Kunsthalle Mannheim wendet sich begleitend zur Staufer-Schau wiederum der von Piranesi inszenierten Antike zu und zeigt mit dessen Veduten eine Hommage an die "ewige Stadt". Selbst Mannheims Wahrzeichen, der Wasserturm, wird zum Sinnbild des italienischen Lebensgefühls: Als "Torre d’Italia" bietet das aus dem 19. Jahrhundert stammende Bauwerk unter der Regie des Vereins Kulturnetz Mannheim Rhein-Neckar die Bühne für künstlerische Darbietungen von Kabarett, Comedy über Lesungen, klassischer Musik bis hin zu modernen italienischen Liedermachern.
Dolce Vita wird verfilmt
Auch das Fernsehen ist mittlerweile auf Mannheims lange verborgenen Schatz der italienischen Lebensart aufmerksam geworden. Inspiriert vom musealen Italienprojekt hat das SWR-Fernsehen unter dem Titel "Dolce Vita - Italienisches Leben in Mannheim" ein überraschendes Städteporträt Mannheims gezeichnet, mit dem bereits auf die große Staufer-Ausstellung eingestimmt wird. Spätestens ab Herbst will die Stadt dann Einheimische und Gäste selbst überzeugen, dass ein Stückchen Italien in diesem Jahr auch an Rhein und Neckar zu finden ist.
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