Feuertanz Festival 2010
Kein Markt mit Musik, dafür Musik mit Markt!
25. 8. 2010 - 13:30
Helmut Grabherr
Am 18. – 19. Juni feierte das Feuertanz – Festival auf der Burg Abenberg in der Nähe Nürnbergs sein 10 jähriges Bestehen und bewies an zwei Tagen mit vierzehn Bands lautstark: Mittelalter rockt! Was juckt das ein Magazin der österreichischen Mittelalterszene? Nun, neben versprengtem rotweißrotem Publikum, sorgten Wûtas als erste österreichische Band seit Bestehen des Festivals für Bezug zur Heimat! Grund genug sich in die schwitzende Menge zu wagen um in Ostarrîchi über ein bemerkenswertes Event zu berichten: Stell dir vor, es ist Konzert und alle gehen hin...
Für das Festival standen etwa 4000 Karten zu je 60.- zu Verfügung...allerdings nicht lange, denn Wochen vor Beginn prangte bereits
ausverkauft auf der Homepage. Zu Recht? Was bekam man für sein in der Kohlemine sauer verdientes Geld? Erstens Musik und zwar viel: In Extremo, Subway to Sally, Die apokalyptischen Reiter, Omnia, Eluveitie, Feuerschwanz, Furunkulus, Fejd, Folkstone, Wûtas, Sava, Anna Katharina, Ignis Fatuu, sowie Zackenflanke... also ein repräsentativer Querschnitt durch die Mittelalternative. Zweitens einen kleinen Markt innerhalb der Burg mit Gauklern, Met, Trinkhörnern und allem was das Besucherherz begehrt, sowie dem Reenactorherz Rythmusstörungen beschert. Drittens ein perfekt organisiertes Festival wie es sich der Autor vom Christkind für Österreich wünschen würde.
La Musica...
Von Metal, Folk über MA–Rock bis zu klassischen A-Schweinereien gab es für jeden etwas. Furunkulus überraschten ihr Publikum mit einer kleinen Neuerung. Die äußerst sympathische und hochtalentierte Dudeltruppe spielte, pardauz, zum Großteil auf E–Dudelsäcken. "Jo, dearfns denn des?" - "Untergang des Abendlandes!" Auch der Autor stolperte zuerst über seine eigenen Vorurteile. Wie kann man nur E–Dudelsack spielen das ist aber so was von uncool, schon gar nicht A und überhaupt: Warmduscher! Aber das Resultat, der Sound war eindrucksvoll, die Band spielte wie immer besser und musikalischer als ein Großteil ihrer Genrekonkurrenz und manchmal muss man wohl über den Tellerrand blicken: ein E–Dudelsack ist nämlich weder schwerer noch leichter zu spielen als der analoge Papa, nur anders halt... In Extremo zeigten am Freitag warum sie Headliner waren. Man kann die Band mögen oder nicht, die Show war professionell, die Lieder perfekt arrangiert, und die Stimmung dementsprechend. Da kann eine "Newcomer Band" schon neidisch werden, wenn das Equipment von In Extremo mehr Platz einnimmt als die eigene Wohnung...
Wûtas wütet!
Freitag Nachmittag - die Menge jubelte, das Publikum applaudierte. Wûtas kam. Wûtas spielte. Die Menge jubelte, das Publikum applaudierte noch immer – so etwas freut die Musikanten. Trotz des Nachmittags war der Platz gefüllt und die Österreicher trafen sichtlich den Nerv der Anwesenden. Auch heimische Bands können offenbar große Bühnen in Deutschland füllen. Das macht Hoffnung auf eine positive Entwicklung in dieser Richtung. Wûtas machten es 2010 am Feuertanz und Wave Gothik Treffen vor, Ballycotton werden am Festival Mediaval noch eines draufsetzen - eigentlich ausnahmsweise kein Grund zum Sudern...
"Warum ist Benzin so teuer?
Das gibt es jetzt mit Meersalz...!"
Besonders erwähnen sollte man das Duo Pampatut. Die zwei Ausnahme – Blödler hatten die eigentlich undankbare Aufgabe das Publikum vor den Bands aufzuheizen. Und das beherrschten die Beiden perfekt. Selten gab es subtilen Witz, derbe Zoten und platte Pointen in einer dermaßen ausgewogenen Mischung. So verhalfen sie einem Martin zum zweifelhaften Vergnügen, der bekannteste Besucher des Festivals zu werden. Nebenbei bemerkt, war Holger von Pampatut sicher auch der beste Drehleierspieler unter den anwesenden Musikanten.
Und die Moral von der Geschicht?
Das Feuertanz ist ein reines Mittelalter-Musik-Festival (im weitesten Sinne). Es existiert seit 10 Jahren, meistens war es bisher ausverkauft, also eine höchst erfolgreiche Veranstaltung. Mittelalternative Musik, Marktmusik, Mittelalter Rock, Pagan Folk, welchen Namen man über das Event auch immer stülpen mag, hier zeigt sich das Potential dieser neuen, alten Musik. Ob so ein Konzept auch in Österreich umzusetzen wäre? Diese Frage wird hoffentlich bald durch die Praxis beantwortet. Veranstalter, traut euch!
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