Ach lieber Huscarl Leser, der du vielleicht nicht die Freude hattest, an dem heurigen Rittermehrkampf in Kärnten, sei es als Teilnehmer oder Zuseher, zu schwitzen. Zu Schwitzen vor Aufregung, wer denn wohl gewinnen möge oder auch nur wegen der Hitze in der Burgruine ob Pörtschach am Wörthersee.
Wie jedes Jahr gab es da diese langen, harten, furchterregenden, ansonsten elbenhaften Typen, welche sich Miles Longus Capilares nannten und nur schwer bezwingbar waren. Kraftmäßig waren sie jedoch anderen Gruppen wie den Ampfis unterlegen! Oh ja, jene Gruppe, die selbst "geschmiedete" Schwerter vorzeigte, über deren Unausgewogenheit und Schwere sich jeder Ork beklagen würde. Aber es fehlte diesen Überorks einfach an Technik. So war den Miles Longus nicht anzumerken, dass der Hindernislauf mit verbundenen Augen durchlaufen wurde, so gut hatten sie sich den Parcours eingeprägt. Zumindest bis zum 3. Hindernis. Und vom Kettenhemd, welches im Handstand ausgezogen werden musste, erzähle ich lieber erst gar nicht.
Die Sirenen und das Eierwixxen
Aber nicht nur wackere Recken fanden sich zum Fest, so fiel besonders die Frauengruppe "Sirenen" auf. Auf dem Weg von Griechenland litt zwar leider ihre ursprünglich weiße Kleidung etwas, auch ihreStimmbänder dürften sich erkältet haben, wie man beim Minnendienste feststellte, aber sie schlugen sich überaus gut. So zeigten sie Geschick im heuer modernifizierten Bewerb des Eierwixxens . Hierbei wurden "Levels" eingeführt, Eier mussten über den Rücken, mit den Füßen, am Boden liegend oder gefesselt einander zugeworfen werden.
Ein Staffellauf führte die Teilnehmer durch den umgebenden Wald, über die Gloriette mit Blick über den See, vorbei an auflauernden "Hindernissen" in Form von Mitgliedern der Soldurii und meiner Wenigkeit. Meist waren die Läufer aber dermaßen erschöpft, dass ein Erschrecken wenig Wirkung zeigte, so wurde auf den Einsatz von Brennesseln zurückgegriffen und in den Streitern letzte Ressourcen geweckt.
Auch das alljährliche Schubkarren-Tjosten fand wieder statt, ebenso wie das Kreuz der Geschicklichkeit. Bei diesem darf der Boden nicht betreten werden - sofern man gewinnen will. Wenig gefördert wird dies durch den prall gefüllten Heusack des Gegenübers, welcher mit einigem Schwung auf die eigenen Beine prallt.
Am meisten Beifall erntete der Bewerb des Seilziehens, wo aus stattlichen Männern und Frauen Pflüge wurden, welche den spärlichen Humus im Burghof umgruben und von Engerlingen befreiten.
Schaufeln, Pfannen und Äpfel
Samstag Abends zeigten die Soldknechte ihre Schwertkampftechniken, gefolgt vom beliebten "Bauernkampf", bei dem ein Graf versuchte vom Recht der primae noctis Gebrauch zu machen und dabei den Bauern und seine Schaufel etwas unterschätzte. Seit Einführung dieses Auftrittes ins Repertoire der Soldknechte sind leider die Ausgaben für Schaufeln gestiegen. Die Soldurii Santicum griffen deswegen für ihren Auftritt am Sonntag auf Pfannen zurück, welche haltbarer und günstiger sind. Sie zeigten die epische Schlacht einer rund 500 Jahre alten Überlieferung der Geschehnisse auf einem Villacher Markt, zur Zeit der großen Apfelknappheit.
Nach dem Auftritt der Musikerinnen von Nornensanc wurde eine Feuershow geboten und nach zwei Zugaben war die liebe Feuerartistin Dragona einigermaßen außer Atem und Petroleum. Anschließend lag man gemütlich beim Lagerfeuer und genoss die Atmosphäre der vom Feuer erhellten Burg, oder aber den Met. Besucher wurden von Eskorten mit Laternen durch den dunklen Wald hinab geführt. Viele zeigten sich begeistert von der familiären Atmosphäre, die sie sonst auf keiner Veranstaltung in solcher Form erleben. Vielleicht fürchteten sie jedoch auch, bei ausbleibendem Lobe im dunklen Wald ohne Licht alleine gelassen zu werden.
Sowohl für die 40 Teilnehmer und rund 400 Besucher war es ein tolles Fest an diesem sommerlichen Wochenende - vor allem für die Veranstalter selbst. Am Sonntag Abend wurde gemütlich abgebaut, unwissend, dass just in dem Moment, als alles auf das Einladen in die Eisenkutschen wartete, ein Platzregen einsetzen sollte.
Ob die Miles Longus Capilares wirklich unbezwingbar sind wird sich 2009 zeigen! Die Soldknechte und Soldurii sind als nächstes in Reutte anzutreffen, Spenden in der Form von Schaufeln sind herzlich willkommen!
Die Ergebnisse:
1. Platz: Miles Longus Capilares, 29 Pkt.
2. Platz: Ampfi-Team, 39 Pkt.
3. Platz: Exercitus (Bundeslade 1), 40 Pkt.
4. Platz: Minores (Bundeslade 2), 46 Pkt.
5. Platz: Leonsteiner Recken, 47 Pkt.
6. Platz: Swafnirs Schutz, 53 Pkt.
7. Platz: Sirenen, 61 Pkt.
8. Platz: Fuchs und Hennen, 65 Pkt.
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