Die Mitglieder des Veranstalterteams von Purgstall, bei der Huscarl Leserwahl auf Platz zwei gereiht, sind auch die zweiten Preisträger, die uns im Interview Rede und Antwort stehen. Wem die Fragen bekannt vorkommen: Jeder Preisträger hat von uns dieselben Fragen erhalten.
Alexander Mairgünther vom Organisatorenteam des Gaudium zur Purg nahm sich viel Zeit und beantwortete unsere (fett hervorgehobenen) Fragen:
Huscarl: Ihnen wurde vom Magazin Huscarl für das historische Fest, das Sie im Jahr 2007
veranstaltet haben, eine Auszeichnung verliehen. Wie stehen Sie der Idee
dieser Prämierung gegenüber?
Alexander Mairgünther: Wir finden die Idee hervorragend, weil man hier sicher das ehrlichste
Feedback für seine Arbeit und Bemühungen von Händlern, Lagern und
Szenekennern, aber auch natürlich von interessierten Besuchern erhält.
Für uns ist diese Prämierung Ansporn und Motivation, unser Gaudium noch
unvergesslicher für alle Teilnehmer und Besucher zu machen, und wir glauben,
dass auch andere Veranstalter dies so sehen.
Wie empfanden Sie den Abend der Preisverleihung? Gibt es irgendwelche
persönlichen Details von dieser Feier, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?
Wir haben einen ausgesprochen unterhaltsamen und sehr angenehmen Abend
verlebt, mit einem ausgezeichneten Bühnenprogramm und sehr vielen netten
Gesprächen und ausgelassener Stimmung. An persönlichen Erlebnissen gab es
gerüchteweise nur solche, über die wir uns nicht näher auslassen wollen;
aber wie gesagt, es handelt sich hier sicher nur um Gerüchte.
Mit dieser Veranstaltung hatten wir auch im Sinne, Menschen
zusammenzubringen, neue Verbindungen zu knüpfen und auch wirtschaftliche
Möglichkeiten zu eröffnen. Haben Sie die Veranstaltung auch dazu genutzt, wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen? Wie stehen Sie dieser Idee generell
gegenüber?
Für uns war dieser Abend eine wunderbare Möglichkeit, alte Bekanntschaften
zu vertiefen, und einen ganzen Haufen neuer Bekanntschaften zu schließen. So
standen wir nach dem Einlass nicht unbedingt verloren, dafür sind wir einfach
zu laut, aber doch mit nur einer Handvoll Gesprächspartner an unserem
Bistrotisch. Nach der Preisverleihung, bei der wir, wie die anderen
Preisträger auch, geradezu euphorisch gefeiert wurden, konnten wir uns vor
Gesprächswünschen dann gar nicht mehr retten; obwohl das vielleicht auch an
dem vielen Met liegen könnte, den wir gewonnen und recht freigiebig verteilt
haben.
Im Vorfeld hatten wir uns ja schon mit einigen Hauptmännern und Händlern
kurz geschlossen, um ein eventuelles Engagement auf unserem Gaudium zu
besprechen. Diese waren dann auch fast vollzählig im Viper Room erschienen
und kamen nach der Preisverleihung und der damit verbundenen Enthüllung
unserer Identität auf uns zu.
Es wurden dann zwar nicht direkt wirtschaftliche Entscheidungen getroffen,
das sollte man auch nicht undbedingt tun, wenn Alkohol im Spiel ist, aber
die eine oder andere Vereinbarung wurde schon bis ins Detail besprochen und
kurz darauf fixiert. Gerade weil man sich im Winter ja nur selten bis gar
nicht persönlich zu Gesicht bekommt, zumindest im mittelalterlichen
Ambiente, halten wir diese Veranstaltung für einen ausgezeichneten
Ausgleich.
Wir haben uns gemeinsam mit unseren Sponsoren bemüht, die Sachpreise so
zusammenzustellen, dass Sie einen direkten Bezug zur Mittelalterszene haben.
Können Sie uns verraten, ob etwas davon auch praktische Anwendung finden wird?
Gibt es sonstige Anmerkungen und Geschichten zu den Preisen?
Nun, was den Met betrifft, ist die praktische Anwendung umgehend getestet
worden; auch die dazugehörigen Becher wurden auf Dichtheit und
Ambientetauglichkeit erfolgreichst getestet. Spaß beiseite, die Preise sind
durchweg sehr edel und wurden unter großem Gebrüll unter uns aufgeteilt; wer
glaubt, dass die Septembe bei einem Kampf um wertvolle Sachpreise keine
Chance gegen unseren Kurt hätte, der sollte mal die Biss- und Kratzwunden
sehen. Einzig das Buch, das spielt im 19. und 20. Jahrhundert, passt also
nicht mehr ganz in die großzügige Definition Mittelalter, war aber trotzdem
sehr spannend und lesenswert.
Aber am meisten freuen wir uns über die schönen Urkunden, die, wie es sich
gehört in Silber gerahmt, einen Ehrenplatz in unseren jeweiligen Wohnzimmern
bekommen haben. Für nächstes Jahr haben wir dann schon die passenden
Goldrahmen besorgt, die aber ein bisschen größer ausgefallen sind, also passt
dann bitte die Urkunden entsprechend an.
Ihre Veranstaltung wurde von einem Fachpublikum bewertet. Sie machen also in
den Augen der Mittelalterszene irgendetwas ganz besonders richtig. Welche
Besonderheiten Ihrer Veranstaltung sind das Ihrer Meinung nach?
Wir haben natürlich das große Glück, unser Gaudium im wohl traumhaftesten
Park der bekannten Welt veranstalten zu können. Der Anblick dieses Parks und
seiner vielen uralten Bäume, diese unbeschreibliche Atmosphäre, hat uns
ursprünglich ja erst dazu gebracht, dieses Fest zu machen.
Dann hatten wir vielleicht auch von Anfang an ein glückliches Händchen bei
der Zusammenstellung der Mitwirkenden. Für uns sind die Lager, die Händler
und natürlich auch die Akteure eine ständig wachsende Familie. Manche davon
kennen wir eben schon sehr lange, andere haben wir vielleicht auch erst auf
unserem Fest kennen gelernt, aber dennoch scheint es uns zu gelingen, die
"richtigen" Leute zusammen zu bringen, die sich auch untereinander auf
Anhieb verstehen.
Vielleicht bieten wir auch, im Gegensatz zu so manch anderer Veranstaltung,
vielen Teilnehmern endlich wieder die Möglichkeit oder Motivation, die
eigene Darstellung wieder in den Vordergrund zu rücken. Im Laufe einer
Saison findet sich doch leider so manche Veranstaltung, bei der das
Mittelalter in den Hintergrund rückt.
Auf welche Details einer Veranstaltung sollte man ein spezielles Augenmerk
legen, damit sie ein besonderer Erfolg wird?
Man sollte sich selbst auf seinem Fest wohlfühlen.
Wie beurteilen Sie den Bildungsauftrag, den Sie mit einem historischen Fest
erfüllen? Ist ein gewisser Anspruch auf historische Korrektheit und
Wissensvermittlung Teil Ihres Konzeptes? Wie kann man sich das konkret
vorstellen?
Von einem Bildungsauftrag im ursprünglichen Sinn zu sprechen, kann bei einer
kommerziellen Veranstaltung eigentlich nur eine Notlüge sein. Nicht umsonst
gibt es die Unterscheidung zwischen Reenactment-Veranstaltungen, die
durchweg fremdfinanziert sind, und Mittelalterfesten.
Bleibt man aber einmal nur bei den Mittelalterfesten, findet man natürlich
eine enorme Bandbreite von historischer Korrektheit bis Disney Land. Wir
sind sehr bemüht, möglichst viel Wissen an unsere Besucher zu vermitteln,
vorzugsweise durch aktive Erfahrungen, geben uns im Zweifelsfall aber auch
damit zufrieden, einen allgemeinen, dafür aber möglichst authentischen,
Eindruck dieser Zeit zu ermöglichen. Wir sind uns aber durchaus bewusst, dass
die Besucher eher selten auf eine Veranstaltung dieser Art kommen,
vielleicht noch mit Notizblock und Bleistift bewaffnet, um sich
Detailinformationen einzuprägen. Man muss ihnen all das, was man gerne
vermitteln möchte, möglichst schmackhaft, verständlich und leicht verdaulich
aufbereiten. Das gilt natürlich für Erwachsene wie auch für Kinder, für die
wir uns von Anfang an sehr viel haben einfallen lassen. Eine Rätsel-Rallye
bietet beispielsweise gleich die Möglichkeit, auch intensiveres Wissen zu
vermitteln, weshalb wir diese 2008 auch für Erwachsene machen werden. Und
auch hier wird es, die Preisverleihung von Huscarl.at als Vorbild genommen,
eine ganze Reihe von Sachpreisen zu gewinnen geben.
Ihr Fest findet auch im Jahr 2008 statt. Gibt es Veränderungen oder
Besonderheiten, die Sie unseren Lesern schon jetzt ans Herz legen wollen?
2008 beginnt das Fest bereits am Freitag um 17:00 Uhr, weshalb wir auch das
traditionell von uns ausgerichtete gemeinsame Essen auf den Samstag
verschoben haben. Dafür darf man eine echte Überraschung erwarten.
Außerdem haben wir zwei Bogenturniere geplant, eines für Teilnehmer, eins für
Besucher, beide ebenfalls mit Sachpreisen. Eine freie Feldschlacht ist in
Planung.
Ansonsten spielen zwei Bands, Nachtwindheim und InSpeculum. Die Gaukler
erwarten euch, ebenso eine große Feuershow. Die Recken lassen in der Arena
die Funken von den Schwertern fliegen, und im Park warten viele
Überraschungen.
Alexander, vielen Dank für Deine humorvollen und ausführlichen Antworten!
Weiterführende Links
Bericht zur Preisverleihung
Wahlergebnis der Leserwahl 2007
Gaudium zur Purg: Homepage