Das letzte Veranstalterteam, das wir im Zuge der Nachberichterstattung der Leserwahl zum Interview gebeten haben, ist Eggenburg. Die Zeitreise Eggenburg gewann den ersten Preis mit einer Veranstaltung, die nach modernen Maßstäben ebenso schon fast historisch ist: Im Jahr 2007 fand dort das 13. Mittelalterfest statt.
Margarete Jarmer vom Organisatorenteam des Mittelalterfestes Eggenburg fand die Zeit, um unsere (fett hervorgehobenen) Fragen zu beantworten. Um die Neugierde des Redakteurs zu stillen, wurden auch noch ein paar weitere Fragen per Telefon beantwortet:
Huscarl: Ihnen wurde vom Magazin Huscarl für das historische Fest, das Sie im Jahr 2007
veranstaltet haben, eine Auszeichnung verliehen. Wie stehen Sie der Idee
dieser Prämierung gegenüber?
Margarete Jarmer: Ich finde die Idee toll und als wirklichen Anreiz für jeden Veranstalter, das Beste zu geben. Es ist ein Ansporn, immer wieder Verbesserungen vorzunehmen.
Wie viele Personen umfasst eigentlich das Veranstalterteam von Eggenburg, das ja eines der größten Mittelalterfest Österreichs ist?
Wir halten das Team recht schlank. Im inneren Kreis sind wir sechs Personen. Natürlich arbeiten bei jedem Fest auch zahllose weitere Helfer mit, doch die Entscheidungen und Planungen werden im kleinen Kreis besprochen.
Wie empfanden Sie den Abend der Preisverleihung? Gibt es irgendwelche
persönlichen Details von dieser Feier, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?
Mir hat es eigentlich leid getan, daß wir als Siegergruppe nicht gewandet waren. Da das jedoch nach dem vorhergegangenen Telefonat als nicht unbedingt notwendig empfunden wurde, haben wir leider davon Abstand genommen. Insgesamt herrschte eine eine sehr familiäre Stimmung.
Mit dieser Veranstaltung hatten wir auch im Sinne, Menschen
zusammenzubringen, neue Verbindungen zu knüpfen und auch wirtschaftliche
Möglichkeiten zu eröffnen. Haben Sie die Veranstaltung auch dazu genutzt, wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen? Wie stehen Sie dieser Idee generell
gegenüber?
Die Idee, die Veranstaltung auch als Plattform für wirtschaftliche
Angelegenheiten zu nutzen, finde ich sehr gut. Direkt neben einem wohl
ausgezeichneten, aber doch lauten Konzert ist das für mich nicht ganz der richtige
Rahmen. Leider mußten wir die Veranstaltung schon relativ zeitig verlassen, da wir
Terminüberschneidungen hatten, daher hatten wir nicht wirklich die
Gelegenheit viele Kontakte zu knüpfen. Ein nettes Gespräch mit der Kapruner Delegation hat sich noch ergeben, und
es wäre sicher noch ein sehr netter Abend geworden.
Wir haben uns gemeinsam mit unseren Sponsoren bemüht, die Sachpreise so
zusammenzustellen, dass Sie einen direkten Bezug zur Mittelalterszene haben.
Können Sie uns verraten, ob etwas davon auch praktische Anwendung finden wird?
Gibt es sonstige Anmerkungen und Geschichten zu den Preisen?
Also bei uns wird ein Großteil der Dinge spätestens beim nächsten Fest
verwendet. Ein Lob an die Meterzeuger, wir haben uns schon durchgekostet!
Was kann man sich das beispielsweise mit dem Rufhorn von Zinnmeister Dörr vorstellen?
Das schöne Rufhorn werden wir vermutlich ebenso beim nächsten Fest einsetzen. Wir überlegen, den Markt bei der offiziellen Eröffnung damit "einzublasen".
Wird man Zinnmeister Dörr eigentlich auch wieder einmal auf einem Mittelalterfest in Eggenburg antreffen können?
Der Zinnmeister war einige Jahre gern gesehener Teilnehmer auf unseren Märkten. Für heuer hat er sich meines Wissens leider noch nicht beworben.
Die Pfeile vom Pilemaker sind eine kleine Besonderheit. Dieser junge Mann aus der Steiermark fertigt möglicherweise die historisch korrektesten Pfeile Österreichs und hat noch vieles vor. Gibt es auch davon noch etwas zu berichten?
Ein wunderbarer Preis, auch der beiliegende Brief mit der Erklärung zur Herstellung war sehr interessant. Wir laden den Pilemaker gerne ein, beim nächsten Fest unser ganz besonderer Gast zu sein. Wir veranstalten ja jedes Jahr ein großes Langbogenturnier. Die Langbogenschützen unter uns Veranstaltern haben sich natürlich wie wild auf die Pfeile gestürzt. Sie sind also in guten Händen und werden sicher auch verwendet werden!
Ihre Veranstaltung wurde von einem Fachpublikum bewertet. Sie machen also in
den Augen der Mittelalterszene irgendetwas ganz besonders richtig. Welche
Besonderheiten Ihrer Veranstaltung sind das Ihrer Meinung nach?
Ich könnte mir vorstellen, daß es zum einen am Detailreichtum, wie beispielsweise den Abdeckungen aller Verkehrsschilder liegt. Weiters glauben wir mit der Vielfalt an Ausstellern, dem reichhaltigen Programm und der Größe der Veranstaltung punkten zu können.
Auf welche Details einer Veranstaltung sollte man ein spezielles Augenmerk
legen, damit sie ein besonderer Erfolg wird?
Ich glaube, dass das Zusammenspiel vieler kleiner Details wichtig für jede
Veranstaltung ist. Was hat man beispielsweise von einem anspruchsvollen, atemberaubenden
Programm, wenn die Kulisse und Aufbau der Bühnen postmodern sind?
Wie beurteilen Sie den Bildungsauftrag, den Sie mit einem historischen Fest
erfüllen? Ist ein gewisser Anspruch auf historische Korrektheit und
Wissensvermittlung Teil Ihres Konzeptes? Wie kann man sich das konkret
vorstellen?
Auf Wissensvermittlung wird natürlich auch in Eggenburg Wert gelegt. Wir
haben jedes Jahr spezielle Vorträge, Lesungen und Konzerte. Für uns steht jedoch der Erlebnisfaktor im Vordergrund der Veranstaltung. Mittelalter, wie es generell auf Festen dargestellt wird, entspricht ja in keinster Weise der Realität. Das wäre ja auch sehr schwer möglich. Auf historische Korrektheit wird natürlich soweit wie möglich geachtet.
Wieviele Besucher waren 2007 in Eggenburg? Wie viele Marktstände beherbergt die Veranstaltung?
In Eggenburg erwarten wir Jahr für Jahr zwischen 25- und 30.000 Besucher, so auch im letzten Jahr. Bei Schlechtwetter sind es etwas weniger, aber unter 20.000 Besuchern sind es selten. Ich habe die Zahlen für Handwerk und Händler jetzt nicht getrennt bei der Hand, aber zusammengerechnet hatten wir gut 150 Stände.
Heuer heißt es 14 Jahre Mittelalterfest Eggenburg - für die österreichische Mittelalterszene ein beachtlicher Zeitraum. Wie sah eigentlich das erste Fest in Eggenburg aus?
Wie alles begann, holten wir uns unsere Inspirationen von Festen im Ausland, die wir besuchten. Wir beschlossen, etwas Ähnliches auch bei uns zu versuchen. Das war recht schwer, da es hierzulande zu dieser Zeit kaum Vereine und Gruppen gab. Von einer Mittelalterszene konnte damals keine Rede sein. Im ersten Jahr fand das Fest nur am mittleren Hauptplatz statt. Dennoch konnten wir schon einiges bieten, was die Besucher wohl nachhaltig begeistert hat. Beispielsweise einen gregorianischen Choral, einen ersten Schwertkampf. Damals hatten wir 3000 Besucher bei unserem Fest, was für uns einen Überraschungserfolg darstellte. Deshalb wurde der Markt dann alljährlich wiederholt und ist immer weiter gewachsen. Schon damals begannen wir jedes Jahr, an den Details zu arbeiten - einer der ersten Schritte war zum Beispiel die Verbannung von Autos aus der Innenstadt während des Fests.
Einer der Kritikpunkte am Markt, der immer wieder zu hören ist, betrifft die Marktstände am Rand des Geschehens, die teilweise nicht sehr ambientetauglich sind. Wie kommt das und wie sieht es damit in Zukunft aus?
Wir geben immer wieder auch neuen Marktfahrern die Chance, an unserem Markt teilzunehmen. Viele davon haben wenig Ahnung davon, wie ein Mittelaltermarkt aussieht und welcher Auftritt dort angemessen ist. Im zweiten Jahr einer Teilnahme bessert sich das in der Regel. Wir hatten aber auch schon einige besonders schlimme Fälle, die wir wieder nach Hause schicken mußten. Ebenso ist uns wichtig, lokale Wirtschaftstreibende und Künstler einzubinden. Deshalb haben wir auch Kunsthandwerker unter den Ausstellern, die nicht unbedingt 100%ig ins Mittelalter passen.
Ihr Fest findet auch im Jahr 2008 statt. Gibt es Veränderungen oder
Besonderheiten, die Sie unseren Lesern schon jetzt ans Herz legen wollen?
Wir haben heuer das 14. Mittelalterfest. Grundsätzlich bleibt das Konzept wie gehabt, teilweise werden wir wieder neue Künstler ins Programm aufnehmen. Wir möchten heuer viel mehr Handwerk präsentieren, beispielsweise Korbflechten und Schindelmachen. Wenn es sich von der Teilnehmerzahl her ausgeht, überlegen wir eine ganze Handwerksgasse zu machen. Im Künstlerbereich werden wir das Angebot um Marionettenspieler und Märchenerzähler erweitern. Eventuell gibt es als besonderen Höhepunkt auch einen Seiltanz am Hochseil - dazu laufen momentan die notwendigen statischen Prüfungen und Genehmigungsverfahren. Daruber hinaus wollen wir auch mehr Lagerleben bieten.
Das Gelände ist großteils nicht wirklich lagertauglich, vor allem gibt es in der historischen Altstadt kaum Grasflächen. Wie kann man sich das also vorstellen?
Wir werden heuer verstärkt an Vereine herantreten, die in der Lage sind ihre Zeltlager auch auf Kopfsteinpflaster zu verankern. Wir binden außerdem immer mehr Innenhöfe in das Geschehen ein.
Der Termin ist heuer zeitgleich mit dem bei der Leserwahl zweitplatzierten Markt in Purgstall. Hat das einen besonderen Grund?
Es ist bedauerlich, dass die Termine heuer zusammenfallen. Normalerweise findet unser Fest immer am zweiten Wochenende im September statt. Heuer hat es sich aus internen Gründen so ergeben, dass wir eine Woche vorverlegen mußten - und so kam es leider auch zu dieser Terminkollision. Im nächsten Jahr wird unser Markt wie gewohnt wieder am zweiten Wochenende stattfinden. Wir wollen ganz gewiß keine Konkurrenzsituation zu anderen Märkten aufbauen und sind selbst sehr unglücklich über die Termingleichheit.
Liebe Margarate, vielen Dank für die Zeit für unser Gespräch!
Weiterführende Links
Bericht zur Preisverleihung
Wahlergebnis der Leserwahl 2007
Zeitreise Eggenburg: Homepage