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(C) Verlag Droemer Knaur

"Die Braut des Pelzhändlers" von Lena Johannson
Seifenoper in Romanform
Simone Huber
28.12.2011 09:26

Erstmalig im August 2010 erschienen, ist „Die Braut des Pelzhändlers“ der vierte Roman von Lena Johannson. Gute Nachrichten für Freunde der seichten Unterhaltung, die schon lange auf eine mittelalterliche Version von „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ in Buchform warten – denn für sie ist dieser berechenbare Schnulzenschmöker goldrichtig! Begeisterte Fans etwas ernsterer historischer Romane werden hier leider enttäuscht und kommen nicht annähernd auf ihre Kosten.

Das Rauschen der Ostseewellen und die Abenteuer einer starken Frau: 1430. Der Lübecker Kaufmann von Ranteln handelt mit allerlei Waren, die er nach Riga bringt und dort gegen Pelze eintauscht. Da er seine Tochter Bilke gut und vor allem gewinnbringend verheiraten will, schickt er sie mit einem Handelsschiff nach Riga, wo sie den jungen Pelzhändler Hartwych heiraten soll. Dessen Herz gehört jedoch bereits der armen Sängerin Ria. Da wird das Schiff, auf dem Bilke zu ihm reist, von Seeräubern entführt … (Klappentext)

Die Hauptcharaktere

Weibliche Hauptfigur ist Bilke von Ranteln, Tochter eines angesehenen Lübecker Hanse-Kaufmanns, die sich im Laufe der Geschichte auf Grund eines ausgewachsenen „Stockholm-Syndroms“ selbstverschuldet in ein dichtes Lügennetz verstrickt. Ihr zur Seite stellt die Autorin zwei männliche Hauptcharaktere, den dänischen Seeräuber Svendsson, dargestellt als bemerkenswert klischeehaft harter Bursche, sowie Hartwych van Broke, strahlender Saubermann und Pelzhändler, den Bilkes Vater als Ehemann für sie auserkoren hat.

Seifenoper in Romanform

Die Charaktere entsprechen 0815-Bilderbuch-Klischees und die verzweifelte Hausfrau von nebenan, die sich mit Begeisterung „Reich und Schön“ im Nachmittagsprogramm ansieht, hat bestimmt ihre helle Freude an den seichten Dialogen. Anhand eben dieser Dialoge kann man sich mit etwas Fantasie wunderbar die schlechte Darbietung bildlich vorstellen, die Laienschauspieler aus Barbara Saleschs Gerichtssaal bei einer Verfilmung dieses Werkes bieten würden. Die Handlung ist ebenso nichtssagend und vorhersehbar wie die Tatsache, dass Wasser nass ist. Die Autorin verliert sich sehr gerne in langatmigen Detailbeschreibungen die schwer an Karl Mays schier nie enden wollende Landschaftsbeschreibungen erinnern. Historische Parts kommen im Roman eindeutig zu kurz. Andere, für die ohnehin schon dürftige Handlung völlig irrelevante Szenen, ziehen sich über unzählige Seiten, ohne auch nur annähernd bleibenden Eindruck zu hinterlassen oder einen Sinn hervorzubringen. Es entsteht dabei der Eindruck, die Autorin würde die Geschichte auf Biegen und Brechen in die Länge ziehen wollen. Frau Johannson gibt am Ende des Buches an, sie habe sich zugunsten der besseren Lesbarkeit für die heutige Anredeform des „Siezens“ entschieden. Für einen Roman, der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts spielt und dessen Dialoge ohnehin eher plump wirken, kann diese Vorgehensweise jedoch nur als einer von vielen Stimmungskillern angesehen werden.

Die Autorin

Lena Johannson wurde 1967 bei Hamburg geboren und absolvierte eine Ausbildung als Buchhändlerin. Später wechselte sie in die Tourismusbranche, wo sie als Reisejournalistin ihre Begeisterungen zu Schreiben und zu Reisen miteinander kombinieren konnte. Frau Johannson lebt seit einiger Zeit an der Ostsee.

Fazit und persönliche Meinung der Rezensentin

"Die Braut des Pelzhändlers" hat meiner Meinung nach die Bezeichnung "historischer Roman" nicht verdient - man muss der Richtigkeit halber aber auch sagen, dass der Bucheinband auf diesen Zusatz gänzlich verzichtet. Die geschichtlichen Recherchen wirken dürftig und der Glossar am Ende des Buches vermittelt den Eindruck, nur als Alibi herzuhalten – ebenso wie die kurze Anmerkung zur historischen Richtigkeit auf der letzten Seite. Ich habe mich selten beim Schmökern so gelangweilt und musste mich bei einigen Passagen regelrecht dazu zwingen, weiterzulesen. Von meiner Seite aus kann ich das Buch aber auch guten Gewissens weiterempfehlen – und zwar an Fans von "GZSZ", "K11 – Die Kommissare" & Co.


Bibliographische Angaben:

Lena Johannson: Die Braut des Pelzhändlers
512 Seiten
Knaur Taschenbuch, 2011
ISBN: 978-3426505205
Preis: 8,99 EUR

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