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(C) Primus Verlag

Mode im Mittelalter
Das Mittelalter auf dem Laufsteg. Ein Werk von Jan Keupp
Christina Laurin
08.12.2011 09:58

Jan Keupp ist seit seiner 2010 publizierten Studie "Die Wahl des Gewandes" ein bekannter und geschätzter Autor für diejenigen, die sich mit der Thematik der Kleidung des Mittelalters eingehender beschäftigen. Nun veröffentlicht er mit "Mode im Mittelalter" ein neues Werk, in welchem er der Frage der Selbstpräsentation und Identifikation durch Kleidung nachgeht. In zahlreichen literarischen Beispielen veranschaulicht er die schwierige Gratwanderung zwischen angemessener Gewandung und Tabubruch.

Jan Keupp, geb. 1973, schloss sein Studium der mittelalterlichen, der Bayerischen sowie der Vor- und Frühgeschichte und der Germanistik in München und Bielefeld ab. Seit 2001 war er als wissenschaftlicher Assistent bzw. Mitarbeiter an den Universitäten Köln, München und Heidelberg tätig. Schwerpunkte seiner Forschung bilden die Zeichensysteme sozialer und politischer Ordnung, die Etablierung und Praxis herrschaftlicher Autorität, sowie der Sozialgeschichte geistlicher und weltlicher Eliten.

Klein und handlich

Nach dem Lesen von "Wahl des Gewandes" freute sich die Rezensentin bereits auf ein weiteres Werk von ähnlicher Gestaltung und Umfang. Doch stattdessen handelt es sich bei „Mode im Mittelalter“ um ein broschiertes Buch in Taschenbuchgröße, mit einem für Fachbücher fast schon als „harmlos“ zu bezeichnendem Umfang von etwa 160 Seiten.

Hier muss jedoch auch angemerkt werden, dass die farbige Gestaltung des Buchcovers mit einem Ausschnitt eines italienischen Stundenbuchs aus dem späten 14. Jahrhundert sehr ansprechend gelungen ist. Die weiteren fünfzehn ganzseitigen, Schwarz-Weiß-Abbildungen wurden in ihrer Thematik jeweils so ausgewählt, dass sie den Textinhalt des jeweiligen Kapitelabschnitts untermalen.
Auch die besondere Hervorhebung der Zitate aus Primärquellen im Unterschied zum Fließtext, erleichtert sowohl das Lesen, als auch die Übersicht deutlich.

„Die Wahl des Gewandes“ light

„Für einen Fachhistoriker ist es nicht immer einfach, einen der mittlerweile zahlreichen kommerziellen Mittelaltermärkte zu besuchen. Allzu viel gäbe es zu kommentieren und zu kritisieren. ... So etwa beim Vorüberschlendern an einem jener Marktstände, wo in unterschiedlichsten Ausführungen bunte Haarkränze feilgeboten werden. Dort kann man erleben, wie manch männlicher Besucher leichtfertig zur Börse greift, um seiner Frau Gemahlin solch farbenfrohen Kopfputz zu verehren: „Nun siehst du aus wie ein echtes Ritterfräulein.“ Mit diesen Worten träfe der stolze Ehemann zweifellos den Nagel auf den Kopf, ohne sich indes über die peinlichen Konsequenzen seiner Handlung im Klaren zu sein.“ (Keupp, S. 7)
Mit dieser Aussage des Autors wird rasch klar, wer in den Augen des Autors das Zielpublikum des vorliegenden Werks sein soll: Der Laie, der sich zwar für die Thematik der Kleidung des Mittelalters interessiert, aber zugleich wenig Grundwissen vorweisen kann, oder der nur in den Komplex „hineinschnuppern“ will, ohne gleich von Sachwissen erschlagen zu werden.

Während des Lesens stolperte die Rezensentin häufig über Literaturbeispiele aus „Die Wahl des Gewandes“, welche diese Vermutung weiter untermauern. Der Großteil der Beispiele sind für einen Leser des Vorgängerwerks von Keupp nicht neu, nur die Erklärungen dazu werden in einer stark aufs Wesentliche komprimierten Fassung und einem auf ein breitgefächertes Publikum ausgerichteten Sprachstil dargeboten.

Auch in den Inhalten seiner einzelnen Kapitel hält sich der Autor stark in Inhalt und Titel an seine Habilitationsstudie:

In „Schutz, Scham, Schmuck – und Status“ soll u.a. das Geschenk eines vermeintlich billigen  Umhangs aus Schafpelz zwischen Kaiser Heinrich II. und dem Paderborner Bischof Meinwerk zeigen, welchen Stellenwert die eindeutige Lesbarkeit der sozialen Zugehörigkeit für den mittelalterlichen Menschen hatte.

Die „Autorität der Äußerlichkeiten“ wird wiederum auch durch ein Werk von Hartmann von der Aue unterlegt. Von der Aue beschrieb darin um 1200 Iwein und seinen Selbstfindungsprozess, der erst durch das Anlegen ritterlicher Kleidungsattribute gelang. Im selben Kapitel wird auch die Thematik der Kleidergesetze und ihrer Wirksamkeit, sowie sozialen Bedeutung im damaligen Kontext angesprochen. Aber auch die Konsequenzen für Aussteiger aus diesem System, wie Elisabeth von Thüringen, Franz von Assisi, oder Meier Helmbrecht kommen zur Sprache.

Das Kapitel „Die Mode und ihre Mechanismen“ beschäftigt sich mit der Definition von Mode und ihren Auswirkungen und Veränderungen im Laufe des Mittelalters und versucht Belege dafür zu finden, dass bereits der mittelalterliche Mensch ein „Markenbewusstsein“ entwickelt hatte.

„Das Mittelalter auf dem Laufsteg“ präsentiert das von der Mode diktierte Schönheitsideal des Mittelalters.

Als Abschluss stellt Keupp in „Mächtkämpfe im Zeichen der Kleidung“ die nicht zu unterschätzende Wirkung, Symbolsprache und Macht von Kleidung auf dem politischen Parkett in den Vordergrund. 

Das Ende bildet schließlich ein Blick auf das Modeverhalten heute und dessen Wirkung auf politischer Ebene. Wer nach dem Lesen erst recht Freude an der Thematik gewonnen hat, wird sicher in dem gut aufbereiteten Zitatsverzeichnis fündig werden. Auch das kurze Literaturverzeichnis enthält einige gute Vorschläge für thematische Neulinge, von „Klassikern“ in der Kostümkundeliteratur bis hin zu beliebten Recherche-Websiten wie die Bildsammlung von ImaReal und Larsdatter.com.

Guter Einstieg in die Thematik

Bei „Mode im Mittelalter“ handelt es sich definitiv nicht um das klassische Buch über Kleidung, in welchem Schnittmuster präsentiert, oder die Fundlage analysiert wird – etwas, was aber durch die verwandte Titelwahl, mit beispielsweise einer Margaret Scott, suggeriert wird.

Zudem sollte stets bedacht werden, dass das Werk eine vereinfachte Kurzfassung der „Wahl des Gewandes“ ist. Fans von ausführlichen Literaturverweisen und Fachausdrücken, sowie von Schachtelsätzen mit wissenschaftlicher Ausrichtung, sollten daher bevorzugt gleich zu letzterem greifen. Hier wird ihrem Bedürfnis nach sehr ins Detail gehenden Erklärungen und spezialisierter Literatur deutlich mehr entsprochen als in „Mode im Mittelalter“.

Abschließend sei zu sagen, dass sich „Mode im Mittelalter“ durch den kompakten Umgang und den flüssigen Stil innerhalb weniger Stunden lesen lässt und doch ein gutes Grundlagenwissen rund um den Repräsentationscharakter der Kleidung vermittelt. Eine Kaufempfehlung für dieses Buch kann somit mit gutem Gewissen ausgesprochen werden.


Bibliographische Angaben:

Jan Keupp: Mode im Mittelalter
Primus Verlag
2011, 160 S. mit zahlreichen Abbildungen
gebunden
Format 13,5 x 21,5 cm
ISBN 978-3-89678-804-7

Weiterführende Links:






Kärntner Rittermehrkampf 2012

Die Harzschützen


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