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(C) Verlagshaus Adeva
Der Umschlag der Buchausgabe, das Gebetbuch für Herzog Albrecht V.

(C) historische Abbildung / Wikipedia
Portrait Albrechts II. (16. Jhdt).

(C) Verlagshaus Adeva
Der Einband des Codex.

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Portrait Albrecht in seinem eigenen Gebetbuch.

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Das dicke und griffige Papier, erweckt bereits bei der ersten Berührung das Gefühl von Qualität.

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Die farbprächtigen Bilder laden zum detailverliebten Blick nahezu ein.

(C) Verlagshaus Adeva
Das saubere und aufgeräumt wirkende Layout erleichtert das Lesen ungemein.

Das Gebetbuch für Herzog Albrecht V.
Aus der Reihe Codices Illuminati
26. 3. 2010 - 07:00
Andreas Ahammer


Die auf die Herstellung von Faksimiles spezialisierte ADEVA (Huscarl berichtete) hat es sich zum Ziel gesetzt, in ihrer Reihe "Codices Illuminati" ausgewählte Handschriften einem breiten Publikum zugänglich zu machen und einen - wie es im Klappentext heißt - "repräsentativen Überblick über die Vielfalt und Schönheit unseres Handschriftenerbes zu geben". Bei den in dieser Reihe erscheinenden Werken handelt es sich um solche Handschriften, welche aufgrund verschiedener Eigenheiten (z.B. Größe, Umfang oder Ausstattung) die Fertigung eines Faksimiles nicht erlauben, allerdings dennoch einen genaueren Blick verdienen und auf gerechtfertigtes Interesse stoßen. In der hier vorliegenden Rezension handelt es sich um Band 3 dieser Serie, das Gebetbuch des Herzogs Albrecht V.

Die Handschrift

Unter der Signatur Cod.2722 der Österreichischen Nationalbibliothek findet sich das Gebetbuch des Herzogs Albrecht V. (1397 - 1439; ab 1438 Kg. Albrecht II.). Die Besonderheit der Handschrift liegt darin, dass es sich um das älteste persönliche Gebetbuch eines habsburgischen Regenten handelt und nur zu seiner persönlichen Andacht bestimmt war. Dies ist dahingehend von besonderer Bedeutung, dass es ein sehr frühes Beispiel für private, nicht in Latein abgefasste, Gebete bietet und einige Aussagen über Gebetspraxis, mittelalterliche Laienfrömmigkeit sowie den Inhalt deutschsprachiger Gebete erlaubt. Die Originalhandschrift umfasst I + 221 + I Blätter und entstand Mitte der 1430er Jahre, also zu jener Zeit, als Albrecht noch keine Königswürde inne hatte, sondern lediglich Herzog von Österreich war. Die Blätter messen 20,5 - 21cm x 14,5 - 15cm und beinhalten in der Regel 27 Zeilen. Ausreißer mit 28 Zeilen sind zu finden, allerdings nur selten. Der Einband aus italienischen Seidenbrokat, welcher aus der Entstehungszeit des Kodex stammt, ist noch in gutem Zustand und verfügt über zwei Schließen aus Silberblech, von denen eine noch das Verschlussband aus Brettchengewebe hält.

Der äußere Eindruck

Auf den ersten Blick erfasst einen bereits der Eindruck, ein qualitativ hochwertiges Druckwerk in den Händen zu halten. Wer das robuste Softcover (Broschur mit Klappe) aufschlägt und die 92 Seiten durchblättert, dem fällt sofort die ausgezeichnete Papierqualität auf, wie man sie sonst bei Büchern leider allzu oft vermisst und nur mehr bei für Qualität bekannten Verlagshäusern wie Taschen, Zabern, der WBG oder eben der ADEVA findet. Der Druck ist sauber und scharf, das Layout wirkt sehr aufgeräumt und übersichtlich. Die Gliederung der Seiten in zwei Spalten erleichtert den Lesefluss und die seitlich platzierten Fußnoten wirken in Zusammenhang mit den Spalten weitaus angenehmer, als wenn sie am Seitenende angeordnet worden wären. Als besonders erfreulich empfand ich die Verwendung von Fußnoten, da ich diese als weitaus angenehmer und benutzerfreundlicher ansehe als Endnoten. Besonders in Kombination mit der Unterteilung eines Werkes, wie in diesem Fall in Text- und Bildteil sowie Dokumentation, können diese nämlich zu einem ärgerlichen Blättermarathon führen. Der Textteil ist begleitet von 27 S/W-Abbildungen (davon eine ganzseitig) welche sich in guter Qualität in den Fließtext einfügen und manchmal die Spaltenteilung ignorieren, was aber keinesfalls störend oder nachteilig auffällt. Die 24 ganzseitigen Farbtafeln des Gebetbuchs mit den oben erwähnten Abmessungen des Originals sind ebenfalls in tadelloser Qualität, lassen kein Detail verborgen, bieten leuchtende Farben und sind auch unter Zuhilfenahme einer Lupe noch ein Augenschmaus.

Die inneren Werte

Der Textteil des Buchs lässt keinerlei Wünsche offen. Neben einem kurzen Abriss des Lebens Albrechts V., welcher alle zwingend nötigen Informationen in gebotener Kürze bietet, wird detailliert auf die Geschichte der Handschrift und ihren Umfang, ihre Bedeutung sowie die Ausfertigung eingegangen. Veronika Pirker-Aurenhammer, ihres Zeichens Leiterin der Sammlung mittelalterlicher Kunst im Österreichischen Belvedere, schafft es, alle relevanten Informationen in einer leicht verständlichen Sprache zu transportieren. Sie verabsäumt dabei nicht, dem gebotenen wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden. Sowohl in der Klarheit ihrer Ausführungen und deren Nachvollziehbarkeit, als auch in dem ausführlichen wissenschaftlichen Apparat. Die meist knappen Fußnoten, welche mit Kurzzitaten arbeiten, geben dem Leser ausreichend Information und hinterlassen an keiner Stelle des Textes den Nachgeschmack, etwas nicht nachprüfen zu können oder keinen hint for further reading geboten zu bekommen. Der Tafelteil bietet 24 Photoreproduktionen in Originalgröße. Neben dem Vorderdeckel der Handschrift werden erwartungsgemäß die 17 ganzseitigen Miniaturen der Handschrift gezeigt, welche neben Szenen aus dem Leben Christi den Tod Mariens und ein Messbild mit dem Portrait Albrechts beinhalten. Die restlichen 6 Tafeln zeigen Textseiten mit kunstvoll ausgefertigten Ranken-, Fleuronnée- sowie bewohnte Initialen. Die abschließende Dokumentation beinhaltet eine detaillierte Beschreibung der Miniaturen und Deckfarbeninitialen, ein ausführliches Verzeichnis der Gebete (leider ohne vollständige Transkription), ein Werkverzeichnis des sog. "Albrechtsminiators", sowie einen Steckbrief der Handschrift, welcher in kurzer Form auf einer Seite die notwendigste Information über die Handschrift transportiert.

Fazit

Die Reihe "Codices Illuminati" hat sich ein schönes Ziel gesetzt, nämlich - wie bereits oben erwähnt - verschiedene Kleinodien der Buchkunst einem breitem Publikum zu einem erschwinglichem Preis zugänglich zu machen und mit allgemein verständlicher Information zu begleiten. Ein Vorhaben, welches mit diesem Band durchwegs gelungen ist. Das Buch bedient das Interesse eines interessierten Laien ebenso wie jenes eines Wissenschaftlers jedweder Fachrichtung. Der Mix aus geschichtlicher Hintergrundinformation, detaillierter kodikologischer Beschreibung, ikonographischer Analyse und gekonnter Bildpräsentation machen das Schmökern wie auch ein intensives Studium des Werkes zu einer Freude, welche durch gekonntes Layout und hohe Materialqualität zusätzlich gestützt werden. Von Seite des Rezensenten ist hier eine klare Kaufempfehlung für jene auszusprechen, die sich für Buchkunst interessieren, sich mit Albrecht V. und/oder seiner Zeit beschäftigen bzw. deren Darstellungsrahmen in das Zeitfenster der Entstehung fällt (1430er).

Bibliographische Angaben

Pirker-Aurenhammer, Veronika: Das Gebetbuch für Herzog Albrecht V. von Österreich (Wien, ÖNB, Cod.2722). (= Codices Illuminati, Bd 3. Hg. v. Andreas Fingernagel). Graz 2002.
92 Seiten, davon 24 Farbtafeln, Format: 21,5 x 28 cm.
Englische Broschur.
EUR 29,80
externer Link Vollständige bibliographische Angabe der DNB

Bisher in dieser Reihe erschienen:
Band 1: Die Admonter Riesenbibel
Band 2: Die Lilienfelder Concordantiae Caritatis
Band 3: Das Gebetbuch für Herzog Albrecht V.
Band 4: Das Vorauer Evangeliar
Band 5: Die Riesenbibel von St. Florian

Gemeinsam zum Reihenpreis von € 149,00,- erhältlich.
externer Link Die Buchreihe bei ADEVA

Weiterführende Links:





Kultur- und Veranstaltungsgemeinschaft Eulenspiel

Radio Aena

Die Holzkiste

Der Bogenstand Gesierich




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