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(C) Droemer-Knaur Verlag
Marie Cristen entführt die Leser die Zeit des 12. Jahrhunderts.

Angus Donald: Der Barde
Robin Hood, das Syndikatsoberhaupt
9. 4. 2010 - 9:30
Andrea Eberl


England am Ende des 12. Jahrhunderts rund um Sherwood Forest. Robin Hood als strahlender Held, der die Reichen bestiehlt, um den Armen zu helfen - damit räumt Angus Donalds unterhaltsamer Abenteuerroman "Der Barde" auf. Auch wenn nicht viel über den historischen Robin Hood bekannt ist, nicht einmal, ob er wirklich gelebt hat – eines scheint klar: Er war ganz bestimmt kein galanter Held wie seine filmischen Alter Egos.


Ein hungriger kleiner Dieb, ihm auf den Fersen ein blutrünstiger Sheriff – im mittelalterlichen Sherwood weiß der verzweifelte Alan nur eine Zuflucht: die Bande von Geächteten um den sagenumwobenen Robin Hood. Sehr bald erkennt der berüchtigte Outlaw, wen das Schicksal ihm da zugespielt hat. Der Junge mit der wunderschönen Singstimme soll ihm als Spion dienen. Denn als Barde wird er Zutritt zu den allerhöchsten Kreisen haben...

Der vielseitige Autor

Der britische Autor Angus Donald wurde 1965 als Sohn eines Diplomaten in China geboren und wuchs auch dort auf. Seine Ausbildung fand aber am Marlborough College und an der Universität von Edinburgh statt. Beide Elternteile stammen angeblich vom ritterlichen Hochadel ab, so dass ihm sein Interesse für Geschichte in die Wiege gelegt wurde. Er arbeitete unter anderem als Früchtesammler in Griechenland, Kellner in New York und Forscher und Journalist in Indonesien und Hongkong. Die letzten 15 Jahre war er als Kriegsberichterstatter und Journalist in Hongkong, Indien, London und Afghanistan tätig.

Seinen neuen Beruf als Autor übt er inzwischen in einem kleinen Cottage in England aus. Outlaw (dt. Der Barde) war sein erster Roman. Der Folgeroman, Holy Warrior, ist bereits im Entstehen und soll im Sommer 2010 fertig gestellt sein. Auch da geht es wieder um dieselben Protagonisten, Alan und Robin.

Flüssige Erzählung

Das in der Ich-Erzählform geschriebene Buch ist flüssig und weist keine Längen auf. Freunde dieser Geschichten könnten es durchaus in einem Zug lesen. Oder auch im Bus. Angus Donald beschreibt sehr genau, jede Regung und auch das kleinste Merkmal an der Kleidung oder der Gegend wird akribisch beschrieben. So entsteht ein lebendiges Bild, und man kann sich sehr leicht in die Geschichte hineinversetzen. Allerdings bietet dieser Stil dadurch der Fantasie auch wenig Spielraum und war zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig.

Historischer Hintergrund nebensächlich

Der geschichtliche Hintergrund ist, was Politik und Kleidung betrifft, gut recherchiert, kommt aber nur am Rande vor und Vorkenntnisse sind nicht nötig um dem Handlungsablauf zu folgen. Mit einem anderen Hintergrund könnte es auch eine Geschichte über Bandenkriege oder ähnliches sein. Die Geschichte beginnt, indem der alte Alan Dale seine Geschichte erzählt. Ab und zu kommen auch gut eingebundene kurze Szenen aus dem "Jetzt" vor.

Übrigens ist dieses Buch nichts für zarte Seelen, denn Kampfszenen werden recht bildlich und ungeschönt dargestellt.

Alte Bekannte aus den Robin Hood Sagen

In diesem Buch trifft man immer auf "alte Bekannte", sofern man sich für die Robin Hood Thematik interessiert, doch nicht immer ist alles so, wie man es erwartet.

Jede der Hauptpersonen hat Charakter, ist eindeutig wiederzuerkennen und in seinen Empfindungen nachvollziehbar. Trotzdem konnte der Autor der Versuchung nicht widerstehen, etliche klischeehafte Figuren einzusetzen.

Der Protagonist Alan Dale ist ein Taschendieb aus Not, der vom unsicheren, ängstlichen Kind unter Robin Hoods Aufsicht vom Kind zum Mann und unerschrockenen Kämpfer reift. Seine seelische Entwicklung ist durch seine Erlebnisse und Kontakte absolut plausibel, aber mehr soll nicht verraten werden.

Der Robin Hood dieses Buches ist nicht der edle Krieger und Retter der Witwen und Waisen wie in so manchen Strumpfhosenfilmen, sondern ein grausamer, machthungriger Verbrecher mit sadistischen Tendenzen. Zu seinen Mannen ist er fair und fast väterlich, sofern sie ihm sklavisch gehorchen, und die Dörfer, die ihm Schutzgeld bezahlten, beschützt er.

Bernard, der musikalische Lehrmeister von Alan, erinnert etwas an Geoffrey Chaucer aus "Ein Ritter aus Leidenschaft".

Sir Ralph Murdac, Sheriff von Nottinghamshire, ist eine der wenigen historisch belegten Figuren der Geschichte und natürlich ein eiskalter Bösewicht.

Alle anderen Figuren sind genauso, wie man sie sich erwartet und aus jedem gängigen Robin Hood Film kennt. Bruder Tuck, der beleibte Mönch mit seiner Schwäche für Völlerei, Little John als baumlanger „Haudrauf“ und Robins treuer Gefährte, Lady Marie-Anne als unvergleichlich schöne, edle Dame und Geliebte, usw.

Spannend, temporeich und leicht verdaulich

Der Barde ist ein temporeicher, leicht lesbarer Roman, ohne besondere Ansprüche an Vorkenntnisse oder Konzentration. Die ideale Geschichte um sich langweilige Wartezeiten zu verkürzen, aber mit genug Spannung zum Weiterlesen. Gut gewählt finde ich die "Ich-Erzählform", die einem einen guten Einblick in die Gefühlswelt von Alan gibt.


Daten:

Der Barde
Angus Donald
Broschiert: 445 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
1. März 2010
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426503700
ISBN-13: 978-3426503706


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