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gemeinfrei / Wikipedia
Selbstportrait Simon Benings

(C) Verlagshaus ADEVA
Faksimileausgabe des Codex

(C) Verlagshaus ADEVA
Einzelne Monatsblätter der Handschrift

(C) Verlagshaus ADEVA
Der einfache Leinenschuber erfüllt optimal seinen Zweck und wirkt zugleich edel im Regal.

(C) Verlagshaus ADEVA
Die Einzelblätter werden von Bögen aus schwarzem Tonpapier gehalten, welche zusätzliche Informationen beinhalten.

(C) Verlagshaus ADEVA
Das beiliegende Beiheft beinhaltet weitere Informationen zur Handschrift und wartet mit zuätzlichen Bildern auf.

Das Da Costa Stundenbuch
Die Dokumentation
9. 4. 2010 - 17:30
Andreas Ahammer


Die auf die Herstellung von Faksimiles spezialisierte ADEVA (Huscarl berichtete) bietet neben bereits vorgestellten preiswerten Exemplaren der Buchkunst (siehe die Reihe Codices Illuminati) natürlich auch hochklassige Faksimiles. So beispielsweise das so genannte "Da Costa-Stundenbuch", welches, wie bei teuren Faksimiles üblich, auch in Form von einigen beispielhaften Einzelblättern mit Erklärung erhältlich ist. Diese sogenannte "Dokumentation" wurde dankenswerterweise von der ADEVA zur Verfügung gestellt und soll im Folgenden etwas näher betrachtet werden.

Wie üblich in heutiger Zeit, finden wir auch auf dem Buchmarkt oftmals Etikettenschwindel. Beinahe jede Reproduktion eines Schriftstückes nennt sich Faksimile. Das Wort Faksimile, stammend von den lateinischen Wörtern facere und similis, bedeutet zwar wörtlich übersetzt nur "Mache es ähnlich", ursprünglich ist aber eher ein "Mach es genau so" darunter zu verstehen. So ist das Faksimile in seiner optimalen Ausführung eine Reproduktion in Material, Größe, Bildqualität, Farbtiefe und anderen Charakteristika, welche ein historisches Schriftstück auszeichnen. So wird in der Regel auch Echtgold verwendet und von Hand aufgetragen. (Siehe auch interner Link Was ist ein Faksimile?)

Dementsprechend sind diese Faksimiles in der Preisklasse ab einem vierstelligen Bereich zu finden. Um der Leserschaft mit kleiner Brieftasche - zu der ich mich wie wohl auch der größte Teil der Leser zähle - trotzdem die Möglichkeit zu bieten, den Eindruck des Originals möglichst genau zu erfahren, bietet die ADEVA (wie auch andere Verlagshäuser, welche Faksimiles produzieren) Einzelblätter und Dokumentationen in ihrem Sortiment. Man erhält so einen schönen Eindruck des Bildes und des Originales, ohne den vollen Preis bezahlen zu müssen.

Provenienz

Das Stundenbuch ist benannt nach einem Don Alvaro Da Costa (zur Eigenheit von Stundenbüchern siehe interner Link Das Stundenbuch - Steckbrief eines Buchtyps). Interessant ist hierbei, dass es sich nicht um den ursprünglichen Besitzer des Stundenbuches handelt, wie es bei solchen Benennungen sonst der Regelfall ist. Historisch fassbar ist, dass Alvaro Da Costa im 16. Jahrhundert als Waffenmeister und Kämmerer bei dem portugiesischen König Manuel I. (1495-1521) tätig war. Das Stundenbuch selbst wurde laut einer Familiengeschichte der Da Costa 1514 von Papst Leo X. an diesen König Manuel geschenkt, welcher es wenig später an Don Alvaro weitergab.

Auf den Spuren...

Tatsache ist, dass sich Don Alvaros Wappen auf fol.1v des Codex findet. Nun wird der geneigte Leser denken, dass das Stundenbuch dann ja auch für ihn gedacht hätte sein müssen, allerdings unterscheidet sich das Wappenbild in Stil und Fertigkeit dermaßen von den restlichen Miniaturen, dass mit hundertprozentiger Sicherheit davon ausgegangen werden muss, dass es sich um eine spätere Ergänzung handelt. Ebenfalls konnte darunter ein altes Frontispiz nachgewiesen werden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verlieren sich die Hinweise auf den Standort der Handschrift kurzzeitig. Aber 1905 taucht sie erneut auf, befindet sich inzwischen aber im Besitz eines Londoner Antiquars. Dieser verkaufte die Handschrift in Privatbesitz, von wo sie ihren Weg in das The Morgan Pierpoint Library & Museum fand, wo sie sich bis heute unter der Signatur MS M.399 aufbewahrt wird.

Simon Bening und die Entstehung der Handschrift

Wie bereits erwähnt, wurde der Codex nach aktuellem Wissenstand von Leo X. in Auftrag gegeben. Herstellungsort der Handschrift ist das Brügge der Jahre um 1515. Zeichner war ein gewisser Simon Bening, einer der wohl besten und (heute wie damals) bekanntesten Buchmaler der damaligen Zeit. Simon Bening wurde in das Buchmalerhandwerk geboren, denn auch sein Vater Alexander Bening (1444–1519) war bereits in Gent als Buchmaler tätig, als sein Sohn 1483 geboren wurde. Im Atelier des Vaters erlernte auch er den Beruf eines Miniaturenmalers und begann ab circa 1500 eigenständig im Raum zwischen Gent und Brügge zu wirken. Ab 1519 war er wohnhaft in Brügge, wo er bis zu seinem Tod 1561 blieb. Vermutlich ist er aber bereits früher nach Brügge übersiedelt, da er bereits ab 1508 als Mitglied in den Gildenbüchern der Brügger Buchmalergilde zu finden ist. Dort lernte er auch die Werke des Brügger Tafelmalers Gerard David kennen, dessen Stil Bening deutlich beeinflusste. Außerdem griff er im Laufe seiner regen Tätigkeit auf etliche Vorbilder der letzen 100 Jahre zurück. Allerdings kopierte er nicht nur die vorhandenen Miniaturen, sondern entwickelt sie maßgeblich weiter und hauchte ihnen einen eigenen künstlerischen Wert ein. Neben dem Da Costa-Stundenbuch fertigte Simon Bening beispielsweise auch das sogenannte "Blumen-Stundenbuch" (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 23637) und ein berühmtes Gebetbuch für Kardinal Albrecht von Brandenburg, welches sich heute im Getty Museum befindet.

Wie bei solchen Handschriften üblich, gibt es allerdings auch Bilder anderer Maler. So konnte im Zuge des Faksimileprojektes und der dazugehörigen Forschungstätigkeit herausgefunden werden, dass es jedenfalls einen weiteren Maler gab, welcher an der Herstellung beteiligt war.

Der Codex

Die Handschrift selbst misst 17,2cm x 12,5cm und verfügt über 388 folia. Sie befindet sich in einer prachtvollen roten Lederschatulle mit Goldprägung, das Buch selbst wird von zwei großen Silberschließen geschlossen gehalten, welche aufgrund von konservatorischen Aspekten heute seperat gelagert werden. Die ursprüngliche grüne Bindung wurde im Jahr 1983 erneuert. Der lateinische Text ist in einer einheitlichen Textura gehalten, welche aus der Hand eines einzelnen Schreibers zu sein scheint. Präsentiert wird der Text in einer Spalte zu kontinuierlichen 17 Zeilen. Die 776 Seiten der Handschrift verfügen über 75 ganzseitige Miniaturen (inklusive der zwölf Kalenderbilder), 15 kleine Miniaturen sowie 12 historisierte Randleisten mit Sternzeichen.

Die Dokumentation

Die gewohnte Qualität der ADEVA spiegelt sich schon im Paket wieder. Stabiler Karton bewahrt das dünne Päckchen vor Beschädigungen durch die oft allzu groben Hände der österreichischen Post. Im Inneren findet sich die Dokumentationsmappe gehüllt in edles ADEVA-Papier in weiß mit blauer Lilienzier, welches an sich schon schön anzusehen ist. Die Dokumentationsmappe selbst in dunkelgrünem Leinen mit Goldprägung beherbergt nun neben einem dünnen Büchlein mit Informationen über das Stundenbuch drei Umschläge aus starkem schwarzem Papier, auf deren Vorderseite verheißungsvoll "Folio 10", "Folio 15v" und "Folio 157v" prangt. Im inneren finden sich die Faksimileblätter sowie eine ausführliche Beschreibung in Deutsch und Englisch.

Folio 10 zeigt sich von der besten Seite, nämlich von der doppelseitigen! Die recto-Seite zeigt das Kalenderblatt für die Zeit zwischen 23. August und 22. September. Die verso-Seite zeigt das Monatsbild für September.

Folio 15v zeigt die Gefangennahme Jesu. Während das Bild selbst einen außergewöhnlich düsteren Charakter des nächtlichen Gethsemane ausstrahlt, zeigt die Randeinfassung Blumen und Vögel auf einem strahlend grünen Grund, welcher die Szene perfekt ergänzt.

Folio 157v zeigt die Verkündigung an die Hirten. Diese Abbildung ist eine jener, welche nicht von Bening ausgefertigt wurden. So ist es für den Interessierten möglich, die künstlerischen Unterschiede zwischen dem Meister selbst und den Mitarbeitern seines Ateliers zu suchen, zu finden, zu analysieren und zu erkunden.

Fazit

Während sich die zuletzt präsentierte Reihe "Codices Illuminati" der preiswerten Veröffentlichung von Handschriften widmet, so bildet die Reihe "Codices Selecti" genau das Gegenstück dazu. Voluminöse Handschriften werden in meisterhafter Weise als originalgetreues Faksimile präsentiert.

Das Werk ist aufgrund seiner späten Entstehung für den Darsteller der Mittelalterszene zwar eher nicht von direktem Interesse für eventuelle Rekonstruktionen, was aber nicht bedeuten soll, dass die Dokumentation hier in irgendeiner Weise fehl am Platz wäre. Sehr oft herrscht zwar in den Darstellerköpfen das Jahr 1500 als Interessensgrenze vor, dies ist aber völlig unbegründet, was dieses Werk auch eindrucksvoll zeigt. Die Bilder stehen allerdings - wie das gesamte Genre des Stundenbuches - in starker mittelalterlicher Tradition. So zeigt das Werk sehr schön das Fortlaufen mittelalterlicher Traditionen der Volksfrömmigkeit sowie der malerischen und zeichnerischen Konventionen. Weiters bietet die vorliegende Dokumentation die Möglichkeit für alle Bibliophilen mit kleiner Börse die "Luft des Originals" zu schnuppern und sich mit dem Typus Stundenbuch in seiner Spätzeit zu beschäftigen. All das zu einem erschwinglichen Preis und in gewohnter hoher Qualität!


Bibliographische Angaben:

Das Da Costa-Stundenbuch - Dokumentation
Dokumentationsmappe mit drei originalgetreuen Faksimileblättern und einer reich illustrierten Informationsbroschüre.
Verlag Adeva
EUR 98,00

Das Da Costa-Stundenbuch - Leder-Ausgabe
Codices Selecti Band CXVI
Limitiert auf 381 Stück
Verlag Adeva
Subskriptionspreis: EUR 8.500,00 (gültig bis 31.07.2010)

Das Da Costa-Stundenbuch - Luxus-Ausgabe
Codices Selecti Band CXVI
Limitiert auf 99 Stück
Verlag Adeva
Subskriptionspreis: EUR 11.980,00 (gültig bis 31.07.2010)
Einzelpreis: EUR 13.000,00


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