Buch: Das geheime Netz der Templer
Wege und Spuren in Österrreich
30. 6. 2010 - 17:30
Erec Lingam
Der Templerorden, einer der geheimnisvollsten und mächtigsten Ritterorden des Mittelalters, errichtete Niederlassungen in ganz Europa. Von Jerusalem bis an den Atlantik erstreckte sich das unsichtbare Netz der Templer. Auch die Komtureien in Mähren, Niederösterreich und dem Burgenland waren Teil dieses europaweiten Netzwerks. Niederösterreichs Burgen und Wehrkirchen mit unterirdischen Labyrinthen sind bis heute lebendige, steinerne Zeugen des Wirkens des mysteriösen Ritterordens. Seit dem Auftauchen neuer Dokumente über die Templer in den Archiven des Vatikans ist das Interesse an diesem Ritterorden wieder erwacht. Die Faszination am Geheimwissen und den okkulten Ritualen der Templer ist ungebrochen. Wo waren ihre Niederlassungen? Was ist davon heute noch übrig? Was war die Aufgabe der Tempelritter? Was ihr bis heute gehütetes Geheimnis? Die Autorin Gabriele Lukacs und der Fotograf Robert Bouchal begeben sich auf die Spuren der Tempelherren entlang der Pilgerwege von Mähren bis Südburgenland. An Hand von Dokumenten, Sagen und Legenden und mit beeindruckenden Fotografien der steinernen Überreste einstiger Templersitze zeichnen sie ein faszinierendes Bild dieses rätselhaften Ordens.
Dieser Text des Pichler Verlages verspricht ein Werk, das endlich Klarheit in die rätselhafte Mythenansammlung rund um die armen Ritter vom Salomonischen Tempel zu schaffen vermag. Immerhin wartet eine ganze Reihe von heimischen Reenactern längst darauf, mehr fundiertes Wissen über Wirken und Werken des Templerordens in unseren Breiten nachlesen zu können.
Stimmungsvolle Fotografien
Versprechen eingelöst? - Im Prinzip ja, aber dann doch: nicht wirklich und nicht ganz. Eingelöst wurde das Versprechen in Bezug auf die Bilder - Robert Bouchal schwelgt in stimmungsvollen Details, setzt Mystik in Szene, beeindruckt weitwinkelig im aufgeblitztem Gegenlicht. Selten wurden derart stimmungsvolle Motive gesehen. Gleichwertig daneben die Illustrationen anderer Quellen, die aus Ausstellungen, persönlichen Zeichnungen und Publikationen stammen, denen man grafische Raffinesse nur sehr bedingt nachsagen kann.
Fehlende Vergleichsbelege
Deutlich ist dabei zu spüren, wie Jahrhunderte einer kirchentreuen katholischen Habsburg-Geschichtsschreibung historische Spuren bis heute selektieren konnte. Wenn ein österreichisches Bundesdenkmalamt immer noch Grabsteine, die in nichtkatholischen Ländern längst den Templern zugeordnet werden, als "Priestergrabsteine" einstuft, dann darf das aufgezeigt und kritisiert werden. Gabriele Lukacs tut das mehrfach, bleibt dem Leser aber das internationale Vergleichsmaterial für ihre diesbezüglichen Thesen schuldig. Regelmäßig drückt sich die Autorin vor der klaren Aussage und setzt scheinbare Erkenntnisse in den vorauseilend unterwürfigen Konjunktiv oder suggeriert quer durchs Buch eine erhoffte Zustimmung durch die Leserschaft. In Pulkau liest sich das so:
"Die Kirche diente wohl als Herberge für die Kreuzfahrer.". Zwei Seiten weiter:
"Die drei Gesichter von Guntersdorf – eine Baphomet-Darstellung?", vier Seiten danach zu Schöngrabern:
"Drei Propheten oder drei Tempelritter?".
Vermischung von Fakten und Vermutungen
Fragezeichen scheinen das vorherrschende sprachliche Stilelement zu sein, wenn es um die Deutung von angeblichen historisch harten Fakten geht. In der Argumentation stehen alle Quellen und Informationskategorien vom vatikanischen Chinon-Pergament (dem nebstbei eine fehlerhafte Bildzuordnung passiert ist, weil es dummerweise unter dem falschen Dateinamen auf einer Neo-Templer-Webseite veröffentlicht wurde) über Reenactment-Gewandung bis zum Hörensagen und diversen Dorfchroniken mit mündlichen Berichtsvermerken trotzdem gleichwertig nebeneinander. Das schmälert den Wert der geleisteten Arbeit ganz wesentlich. Das "Netz der Templer" ist dann durch eine einzige Skizze illustriert, in der nicht zwischen "gesicherten und vermutetem Bezug" unterschieden wird. Damit lässt sich bestenfalls eine schemenhafte Aussage erahnen.
Historisch unverbindlich
Die Karte zu den Templer-Kommenden in unserer Gegend verzichtet gleich ganz auf Namen. Den Abschluss des Buchs bildet der Faksimile-Abdruck einer lateinischen Templer-Regel aus dem Jahr 1913 - ohne Übersetzung ins Deutsche. Im Begriffslexikon stehen ganze 7 (!) Fachbegriffe zum Templerorden. 175 Seiten Text benötigen nicht mehr als 22 Fußnoten.
Verwunderlich dabei ist, dass derlei historische Unverbindlichkeit den als Berater zugezogenen Privatforscher Gerhard Volfing als ausgewiesenen heimischen Templer-Fachmann nicht zum Veto getrieben hat.
Touristisch wertvoll
Exakt mit Zeiten und Telefonnummern neben den jeweiligen Regional-Textstellen sind allenfalls vorhandene lokale Führungen genannt. Das ist ein gutes Service, macht aber klar, was dieses Buch eigentlich ist: Keine historisch ernstzunehmende neue Publikation zur Templergeschichte, wie man es aus dem Titel vermutet hätte, sondern ein kulinarisch aufwändig gestalteter Werbeprospekt für die Dienstleistungen der regionalen Fremdenführer. Gabriele Lukacs bietet folgerichtig in einem doppelseitigen Eigeninserat ihre Führerdienste in und um Wien sowie ihr Buch "Geheimnisvoller Da Vinci Code in Wien" an.
Möge ihr dafür geleisteter Aufwand Früchte tragen.
Die Autoren
Robert Bouchal, geboren 1963, ist Fotograf seit seinen Jugendjahren. Durchbruch mit Dia-Schows. Als Naturfotograf gewann er internationale Fotowettbewerbe. Er ist staatlich geprüfter Höhlenführer, seine große Liebe galt lange Zeit der aufwändigen Höhlen-Fotodokumentation. Er visualisiert Stimmungen an den ungewöhnlichsten Orten. Er ist Verfasser zahlreicher Publikationen. Der Autor lebt im Bezirk Mödling. Gabriele Lukacs, am 31. Oktober, zu Halloween, geboren, fasziniert das Mystisch-Geheimnisvolle. Kein Berg zu steil, kein Tal zu tief kein Stein, keine Gruft, kein Hinterhof ist vor ihren Nachforschungen sicher. Seit vielen Jahren auf Kultplatzsuche unterwegs, führt sie mit besonderem Engagement zu den Kraftplätzen in Wien und Niederösterreich.
Daten
Robert Bouchal, Gabriele Lukacs
Das geheime Netz der Templer:
Wege und Spuren in Österrreich
180 Seiten
EUR 24,95
Pichler Verlag
ISBN: 978-3-85431-515-5
Erscheinungsdatum: März 2010
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