Ein wichtiges Dokument für Österreich
Faksimile der Ostarrichi-Urkunde
25. 8. 2010 - 16:00
Jo Fehringer
Im Verlagshaus ADEVA hat anlässlich Österreichs 1000-Jahr-Feiern im Jahr 1996 ein Faksimile der so genannten Ostarrichi-Urkunde veröffentlicht. Dieses für die Geschichte Österreichs so bedeutende Dokument aus dem Jahr 996 ist nun auch in einer "Normalfassung" erhältlich - mit einem ausführlichen Begleittext versehen.
Bekommt man ein Faksimile (lat.
mache es ähnlich) in die Hände, so geht man meistens schon mit bestimmten Erwartungen ans Werk und wird dann oftmals aufgrund des meist trocken gehaltenen Begleittextes schwer enttäuscht. Nicht so bei der Ostarrichi-Urkunde!
Das Dokument ist eine Schenkungsurkunde des römisch-deutschen Kaisers Otto III. In dieser werden Gebiete
regione vulgari vocabulo Ostarrichi (Regionen die gewönlich Ostarrichi genannt werden) an das Bistum Freising übertragen. Angefertigt wurde sie in der Stadt Bruchsal, die sich im heutigen Baden-Württemberg befindet.
Akribisch hat sich hier der Verfasser Adam Wandruszka in Sachen Recherche und Übersetzung ans Werk gemacht und auf 24 Seiten festgehalten. Wandruszka arbeitet sehr genau die Zusammenhänge der ersten urkundlichen Erwähnung Österreichs mit der Gründung des heiligen römischen Reiches durch Otto den I. heraus. Keineswegs werden hier nur Jahreszahlen aneinandergereiht, dem Geschichtsinteressierten ist eine spannende Lektüre geboten.
Frühe Referenzen auf Österreich
Sehr interessant ist beispielsweise der Teil, in dem auf die Erwähnung Österreichs in historischen Werken verwiesen wird - wie in Dantes Inferno unter dem Namen Osterlicchi oder Austerrich.
Lediglich die Bezeichnung "Der Taufschein Österreichs", welche vom ehemaligen niederösterreichischen Landeshauptmann Andreas Maurer geprägt wurde, irritiert vielleicht etwas, da man die Ostarrichi-Urkunde zweifellos als Geburturkunde Österreichs, ja vielmehr sogar noch als nachweislichen Beginn der österreichischen Identität einordnen kann. Genauer betrachtet muss der Name natürlich schon lange früher allgemein bekannt gewesen sein (siehe oben), da er sonst nicht in dieser Formulierung gebraucht werden würde. Wie so oft in der Geschichte, fehlt hierzu aber der geschriebene oder in Stein gemeißelte Beleg. Auf den letzten beiden Seiten des begleitenden Heftes findet sich der Original-Text mit gegenüberliegender Übersetzung, was auch Nichtlateinern sehr zugute kommt.
Erschwingliche Version
Das Faksimile des Dokumentes ist in der günstigen Version auf starkem Hochglanzpapier gedruckt, der Einband des Begleittextes ist in rotem Kunstleinen gehalten. Bei der Luxusausführung wurden dafür edlere Materialien benutzt. Natürlich schlagen die beiden Ausführungen mit unterschiedlichen Preisen zu Buche. So sind bei der "normalen" Ausführung 29 Euro, bei der Luxus-Ausführung 150 Euro zu berappen, was aber den interessierten Sammler detailgetreuer Nachbildungen nicht weiter stören dürfte. Beide Versionen entsprechen in Größe, Beschnitt und Falz dem Original mit den Abmessungen 48x57cm.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, daß es sich bei dieser Faksimile um ein durchaus erschwingliches und vor allem wichtiges Werk handelt, welches in keiner Sammlung historischer Dokumente fehlen sollte. Warum sich dieses wichtige Stück österreichischer Geschichte im Original allerdings immer noch im Besitz des bayerischen Hauptstaatsarchives befindet entzieht sich der Kenntnis des Rezensenten.
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