Der Tag, an dem Alinas Fest nicht stattfand
Berührende Übergabe der Briefe und Geschenke
und weitere Entwicklungen
19. 6. 2011 - 23:45
Florian Machl
Alina ist das kleine Mädchen mit der Schicksalsdiagnose eines inoperablen Gehirntumors. Fünf Jahre jung, ist sie bereits großer Fan von Mittelalterfesten. Ihre Eltern ermöglichen ihr schon seit langem den Besuch dieser Veranstaltungen. Besondere Begeisterung riefen bei ihr die Band Abinferis und der Schaukampf von Prima Nocte auf Burg Aggstein hervor. Im Laufe der vergangenen Woche überschlugen sich die Ereignisse rund um die niederösterreichische Familie, die im Wiener AKH auf eine Verbesserung des Gesundheitszustands von Alina hofft. Diese Verbesserung schien am Montag äußerst fraglich. Im Gegenteil, man kämpfte um ihr Leben. Diese eine Schlacht scheint inzwischen gewonnen - und Delegationen von Huscarl und Radio Aena konnten zwischendurch als Postboten im Auftrag der Leser und Hörer ein wenig Freude übermitteln. Das Fest auf der Rosenburg wurde hingegen abgesagt - aus ganz anderen Gründen, als man vermuten möchte.
Vergangenen Montag spitzten sich die Geschehnisse im Wiener AKH zu. Laut Auskunft der Eltern kämpfte Alina in Folge einer Chemotherapie um ihr Leben. Zeitgleich erfuhr unsere Redaktion davon, dass das Fest, das am 18. Juni auf der Rosenburg hätte stattfinden sollen, abgesagt wurde. Für uns war klar: jetzt heißt es schnell handeln. Sechs große Waschkörbe voll Post für die "kleine Prinzessin" lagerten bei Pfarrer Franz Zeiger in Linz, der die Idee hatte, Alina und auch ihren Eltern durch "Briefe aus allen Ländern ihres Reiches" Freude und auch Kraft zu spenden. Denn die große Anteilnahme zeigt: Viele Menschen senden ihre Genesungswünsche- und Hoffnungen und lassen einen nicht ganz alleine mit seinem schweren Schicksal. Schnell handeln bedeutete für uns: Wenn der Gesundheitszustand so kritisch ist, wie berichtet, dann müssen all diese Glückwünsche, Zeichnungen und Spielsachen so schnell wie möglich nach Wien ans Krankenbett. Am Mittwoch Abend startete Huscarl einen Aufruf, ob sich ein Fahrer finden lässt, der von mehreren fleißigen Helfern beantwortet wurde. Michael Ziegler, ein Unternehmensberater aus Ried, erklärte sich kurzfristig zu der Transportfahrt bereit und investierte Zeit und Benzin für die gute Sache.
Große Freude für lange Zeit
Große Augen gab es am Donnerstag zuerst bei den Eltern und dann auch bei Alina die trotz des an diesem Tag noch sehr angeschlagenen Zustands doch sehr viel von dem mitbekommen hat, was um sie vorgeht. Es wurden Spielsachen, Kuscheltiere, Prinzessinnenutensilien von der Schatzkiste bis zum Gewand, viele Zeichnungen, Gemälde, Fotomontagen und vieles mehr übergeben. Sehr viele Zuschriften stammten aus der Mittelalterszene, andere wiederum aus dem Umfeld der Pfarre. Viele Briefe kamen von weit her, beispielsweise aus Schweden, Kanada oder vom Landeshauptmann von Kärnten. Am Bild links sieht man im Hingergrund ein fantastisches Gemälde und im Vordergund einige der Kuscheltiere, die sofort ins Herz geschlossen wurden. Besondere Freude machten ihr die Kinderzeichnungen aber auch viele Spielsachen von Prinzessin Lillifee. Ab sofort wird das Fernsehgerät im Zimmer zweitrangig, denn nun werden Tag für Tag Briefe vorgelesen und Zeichnungen bestaunt. Vielleicht gelang es damit, ein kleines Licht im Kampf gegen den Krebs zum Leuchten zu bringen.
Einladung zu "jedem" Mittelalterfest
Sehr viele, wenn nicht alle Veranstalter von Mittelalterfesten haben Einladungen an die Familie ausgesprochen. Von Peter Werner in St. Oswald über Mirko Klar in Pöchlarn bis hin zur Verwaltung der Burg Lockenhaus: Veranstalter mit verschiedensten Hintergründen und finanziellen Möglichkeiten lassen ihr Herz sprechen. Überall wurden Vorbereitungen getroffen, um die "Prinzessin" empfangen zu können - inklusive Nächtigungsangebote, versteht sich. Ob eine dieser Einladungen auch angenommen werden kann, ist derzeit nicht zu sagen. Doch zum Glück hat sich Alinas Allgemeinzustand seit Donnerstag weiter verbessert: Am Montag darf das tapfere Mädchen bereits wieder im Park des AKH spazieren gefahren werden. Und wer weiss, vielleicht gibt es noch das eine oder andere Wochenende, wo der Primarius der Abteilung auch den Besuch eines Mittelalterfestes erlauben wird.
Wir übermitteln den Dank der Familie
Huscarl wurde ausdrücklich darum gebeten, den Dank der Familie an alle weiterzuleiten, die sich an der Briefaktion von Pfarrer Zeiger beteiligt haben. Und auch an die Hörer von Radio Aena geht besonderer Dank, die dort gesammelten Spendengelder wurden am vergangenen Samstag von Udo und Veronika Schenk, den Betreibern, persönlich überbracht. Ganz am Ende darf verraten werden, dass die Eltern von Alina zwar kein eigenes Fest aber einen ganz anderen Wunsch erfüllen konnten. Sie haben vergangene Woche m Beisein ihrer Tochter im Krankenhaus geheiratet.
Ein beschämender Fall für die Anwälte
Die Aktivitäten der "freiwillige Helferin", Frau S., die zentral daran beteiligt war, dass die Make-a-wish Foundation, Huscarl und viele andere mit Schrecken den Rückzug von dem geplanten Fest erklären mussten, sind mittlerweile ein Fall für die Anwälte der Familie von Alina. Aufforderungen zur Unterlassung sollen in Vorbereitung sein. Der Grund für die Absage des Festes war keinesfalls nur der Gesundheitszustand des Mädchens. Vielmehr wollte Frau S. am Montag, als man um Alinas Leben kämpfte, mit der Mutter über ihre Anwesenheit beim Begräbnis verhandeln.
Dies führte zu einer vielleicht für viele nachvollziehbaren emotionalen Reaktion, in deren Zuge man Frau S. mitteilte, dass sie von einem Besuch des Krankenhauses als auch eines eventuellen Begräbnisses bitte Abstand nehmen möchte. Die Folge war eine mehrfache Eskalation. Man könnte es als emotionale Erpressung auslegen, dass Frau S. und "Graf" H., auf den sich erstere ständig berief, eine Art Ultimatum gesetzt haben sollen. Nach Aussagen der Eltern wurde gefordert, entweder die Anwesenheit von Frau S. zuzulassen, oder es gebe eben kein Fest für Alina auf der Rosenburg, keine "Adelsurkunde" und keine Krone. In solcher Form "überreden" ließ man sich erst recht nicht - was Frau S. zu öffentlichen Aussagen auf Facebook motivierte, die man durchaus als Drohung gegen die Familie interpretieren könnte.
Ein Teil dieser mutmaßlichen Drohungen wurde dann wohl auch wahr gemacht, denn die vermeintlich uneigennützige Helferin soll sogar beim Jugendamt vorgesprochen haben, um die Familie anzuzeigen. Gemäß den Eltern wären ihnen Gesprächsinhalte zugespielt worden, wie "es wäre keine Liebe in der Familie feststellbar" und vor allem der Besuch bei der von Alina heiß geliebten Mittelalterband Abinferis im böhmischen Prater wäre nicht in Ordnung gewesen. Der soziale Status der Familie wurde gegenüber mehreren Personen und Stellen besonders negativ hervorgehoben. Vorwürfe gegen Eltern, die Tag für Tag am Krankenbett ihres Kindes ausharren und dabei lernen müssen, mit einem Schicksal umzugehen, das jedem zeigt, was wirklich echte Probleme im Leben sind.
Frau S. ist inzwischen immer noch aktiv. So erschien in den Niederösterreichischen Nachrichten Melk ein wohl "gut informierter" Artikel, dem gemäß das Fest auf der Rosenburg nur verschoben wäre. Immerhin brachte Frau S. es darin wieder einmal auf eine dreifache Nennung ihres Namens. Dort wurde auch die Behauptung aufgestellt, dass nur sie Zugriff auf die Spendengelder am treuhändisch verwalteten Spendenkonto hätte. Eine Aussage, welche dieser Anwalt in genannter Form nicht teilen möchte. Frau S. kann sich dem Vernehmen nach inzwischen nicht mehr daran erinnern, mit der Zeitung gesprochen zu haben. Die Beurteilung dieser Vorgänge, so sie sich in der beschriebenen Art und Weise zugetragen haben, wofür Zeugenaussagen sprechen, überlassen wir der geschätzten Leserschaft.
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