Soldurii Santicum
Die Getreuen zu Villach und Ihre Nornen
Der Verein Lebendiges Mittelalter Villach stellt sich vor
3. 4. 2009 - 21:00
Simone Huber
Einige Jahre waren die Soldurii Santicum eine Unterfraktion der Faschingsgilde Landskron. Nur ein Faschingsschmäh? Keineswegs! Sobald die Tage wärmer wurden und die Narren sich zurückzogen, ging es ans Historische: die Sommermonate gehörten den Soldurii. Aller Anfang ist schwer, egal ob als Teil einer Faschingsgilde oder als Larp-Gruppe! Schließlich waren wir alle einmal jung...
Die Getreuen zu Villach bekamen innerhalb der Gilde immer mehr Zuwachs, also beschloss man 2006, sich selbstständig zu machen. Die Soldurii lösten sich einvernehmlich von den Landskronern und ein neuer Verein wurde geboren: "Lebendiges Mittelalter Villach", mit den Fraktionen "Soldurii Santicum" und der zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch nicht so ganz wirklich existenten Musikgruppe "Nornensanc".
Die Getreuen zu Villach – wer sie sind und was sie tun
Die Getreuen sind eine sehr illustre Runde, derzeit bestehend aus 8 Weibsbildern und 13 Mannen, die sich immer wieder gerne in die Zeit des 15. Jahrhunderts flüchten um dem stressigen Heute zu entgehen, sei es auf mittelalterlichen Festen, Märkten oder bei sonstigen Events.
Eigenveranstaltungen gehören natürlich auch dazu, wie in der Vergangenheit das Rittergaudium auf Burg Landskron oder der Kärntner Rittermehrkampf in Kooperation mit den Soldknechten Compania Carantania.
Das Repertoire besteht aus mittelalterlichem Schaukampf, Waffen- und Rüstungsschau, Lagerleben mit Kochstelle und handwerklichen Arbeiten wie beispielsweise Bogenbau, Geschichtenerzählungen aus alter Zeit und natürlich mittelalterlicher Musik mit den Mädels von Nornensanc.
Schwerpunkt Schaukampf
Die Soldurii Santicum legen Ihren Schwerpunkt auf den Schaukampf. Hierbei werden Kampfsequenzen in Gambeson - gegebenenfalls Kettenhemd und Plattenrüstung - mit verschiedensten Waffengattungen (Schwert, Axt und Schild, Hellebarde, Speer), verpackt in lustige Geschichten, vorgeführt. Wirklich ernst und gefährlich wird es aber erst, wenn das Weibsvolk seine Pfannen auspackt *g*. Außerdem sind die wackeren Recken immer wieder in diversen Feldschlachten in Action zu sehen.
Die Spielweiber Nornensanc
Nornensanc – die Spielweiber der Soldurii Santicum gibt es seit gut 2 Jahren als eigene Musikfraktion des Vereins. Die drei Mädels spielen nicht nur auf diversen Mittelalterfesten und im eigenen Lager auf, sondern auch immer wieder auf Rittermahlen und Privatveranstaltungen. Mit einem mittlerweile recht ansehnlichen Instrumentarium, ihrer Leidenschaft für die Musik und natürlich mit ihrem ganz eigenem Charme, bringen sie nach anfänglich schwerwiegenden Panikattacken nun selbstbewusst auch die schlimmsten Musikmuffel dazu, den Takt mitzuklatschen oder sogar das Tanzbein zu schwingen. Und sowieso und überhaupt: *mau*! (das musste noch gesagt werden...)?
Villach 1489
Anfang dieses Jahres wurde auch ein ganz neues Projekt im Verein ins Leben gerufen: die Reenactment-Gruppe "Villach 1489", die mitunter sehr strenge Auflagen in Punkto Gewandung/Darstellung und dementsprechend auch in Bezug auf das ach so böse "A-Wort" einzuhalten haben wird. Die Stadtwache Villach 1489 wird in Zukunft auf internationalen, historischen Reenactment-Veranstaltungen zu finden sein - mit Schwert, Hellebarde, Luntenschlossgewehr und Hakenbüchse.
Schwert- und Fechttraining
Ein- bis zwei Mal die Woche werden in einem Turnsaal Technik und natürlich auch die Schaukämpfe trainiert. Die kämpfenden Mitglieder nehmen unter anderem (gemeinsam mit den Condottieri Mauriziani) an Fechtseminaren der bekannten Gruppe "Gladiatores" teil und zählen somit (lt. Seminarleiter) zur ersten österreichischen Trainingsgemeinschaft der Gladiatores.
Das Lagerleben
Besonders stolz sind die Soldurii auf ihr ständig wachsendes Lager, welches mit derzeit drei Sonnensegeln und acht Zelten bei voller Mannschaft optisch schon was her macht, vor allem mit dem von ihnen liebevoll genannten Autentiplexx (...um Welten zu groß!). Jaja, im Inneren dieses Zeltes könnte man eigentlich fast das ganze Lager aufbauen... Hinzu kommen noch liebevolle Details wie die Kochstelle, selbst gezimmerte Bänke und Tische, die Waffen- und Rüstungsschau, die Werkbank des Bogenbauers (sofern er dabei ist) und natürlich die Getreuen, vom Tross über die Spielweiber bis hin zu den Knappen, Junkern und Rittern.
Die Soldurii freuen sich immer wieder, interessierten Besuchern einen Einblick in das Leben im Spätmittelalter geben zu können, sei es bei Erklärungen über die Gewandung, Waffen und Rüstung der damaligen Zeit oder auch bei einem Blick ins Zelt, wo man nebst Truhen und fellbelegtem Boden auch selbst gefertigte Reisebetten nach Vorbildern aus alter Zeit begutachten kann.
Historische Hintergründe
Ein kurzer Ausflug in den historischen Hintergrund der Soldurii (nachzulesen auch im berühmten Schriftwerk "DeBello Gallico"):
In der Zeit der Kelten gab es geweihte Krieger, die von den Galliern
"Soldurii" genannt wurden. Der Titel selbst bezeugte, dass man ein
herausragender Schwertkämpfer war und der Elite-Einheit der Soldurii
angehörte.
Ihre Lebensweise sah so aus, dass sie alle Annehmlichkeiten des Lebens
mit denen genossen, denen sie Freundschaft geschworen hatten. Wenn
einem von ihnen Gewalt widerfuhr, trugen sie gemeinsam mit ihm sein
Unglück, kämpften an seiner Seite oder begingen im schlimmsten Fall
mit ihm Selbstmord. Bis heute gibt es keine Aufzeichnungen oder
Überlieferungen, die widerlegen, dass sich auch nur einer von ihnen
nach dem Tod des Mannes, dem er Freundschaft gelobt hatte, geweigert
hätte zu sterben.
Die wohl bedeutendste Erwähnung in der Geschichte wurde den Soldurii
im Jahr 56 v. Chr. zu teil als die Römer die Stadt der Sotiater belagerten.
Die ganze Aufmerksamkeit der Römer war damals auf den Kampf an der
Vorderseite der Stadt gerichtet, wo die Sotiater mit dem Mut der
Verzweiflung fochten, da sie glaubten, die Rettung ganz Aquitaniens
hänge allein von ihrer Tapferkeit ab. Der Feldherr und Oberbefehlshaber
Adiatuanus versuchte zeitgleich an einer anderen Stelle der Stadt mit
600 "Geweihten" einen Ausfall zu machen und ging dadurch mitsamt der
Soldurii in die Geschichte ein.
Soldurii aus der Keltenzeit und das 15. Jahrhundert – wie verträgt sich das denn bitte?
Die Geschichte zeigt uns, dass die ursprünglichen Soldurii lange Zeit vor dem Spätmittelalter Europa unsicher machten. Wie kamen die Getreuen zu Villach also darauf, sich Soldurii Santicum zu nennen und sich gleichzeitig in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu bewegen? Ganz einfach! Der Gründer und Obmann des Vereins, Rene Franc, stellt innerhalb des Vereines den "Chevalier Rene de Franc" dar, der Ende des 15. Jahrhunderts Schriften über die Taten der Geweihten gelesen und daraufhin beschlossen hat, die Tugenden dieser ehrenhaften Mannen wieder aufleben zu lassen: Treue, Brüderlichkeit, Loyalität, Freundschaft - um nur die wichtigsten ihrer Eigenschaften zu nennen. Villach hieß zur Zeit der Gallier und Römer Santicum, also war der Name in Anbetracht des geschichtlichen Hintergrunds schnell gefunden. Die Soldurii Santicum sind also nichts anderes als quasi eine Reinkarnation der ursprünglichen Geweihten, aber im 15. Jahrhundert.
Alles in allem sind sie ein ganz umgänglicher Haufen, der neben ernsthaft betriebenem Lagerleben und Schaukämpfen auch noch für jeden Blödsinn zu haben ist. Wer weiß,
vielleicht trifft man sich ja einmal auf einem Fest – jeder ist gerne eingeladen vom Met zu kosten und gemeinsam am Lagerfeuer Geschichten auszutauschen!
Ehre und Stärke!
Rowanne O'Meadhra,
Spielweib, Herold und Schreiberling
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