
Von der Leinenrüstung des antiken Herrschers Alexander (356-323 v.d.Z.) sind viele Beschreibungen überliefert.
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Schutzwirkung antiker Leinenpanzer untersucht
Feldversuch amerikanischer Archäologen
4. 2. 2010 - 19:30
Florian Machl
Alexander der Große herrschte im vierten Jahrhundert vor der Zeitrechnung über Makedonien und den Korinthischen Bund. Als solcher hatte er eine Vielzahl von Schlachten zu schlagen. Interessant ist die Rüstungstechnik seiner Zeit, über die viele schriftliche Quellen erhalten sind. Nicht Metall oder gar Leder schützte die Kämpfer, ein Leinenhemd namens Linothorax übernahm diese Aufgabe. Archäologen der Universität von Wisconsin haben nun nicht nur versucht, mit einer Rekonstruktion möglichst nahe an die Originalrüstsung heranzukommen, sie setzten ihre Werkstoffe auch verschiedenen Beschusstests aus. Das Ergebnis: die Schutzwirkung ist beeindruckend.
Wer in seiner Darstellung nach hoher Authentizität strebt, wird sich über die Bemühungen der amerikanischen Kollegen freuen. Die Rekonstruktion der Rüstungstechnik begann bereits beim Grundmaterial, dem Flachs der zur Herstellung des authentischen Leinens benötigt wurde. Es musste vollständig handgefertigt sein - von der Ernte bis über alle Verarbeitungsschritte. Die Expertin für antikes Leinen im Team, Heidi Sherman, benutzte dafür die nach antiken Methoden hergestellten Produkte einer Manufaktur in Wisconsin.
Verschiedene Materialstärken im Versuch
Stoffrüstungen aus 11, 15 und 20 Schichten wurden für die Versuchsreihe angefertigt. Dabei war wichtig zu erforschen, womit die Leinenschichten verbunden wurden. Ein Kleber aus Leinsamen, Wasser und Shampoo (Anleitung siehe Link unten) wurde dafür verwendet, der keineswegs einen steifen Karton aus den Leinenplatten machte. Vielmehr formte sich die Rüstung durch die Körperwärme des Trägers an diesen an.
Belastungstests mit Nahkampfwaffen...
Schlussendlich wurden die Materialien diversen Belastungstests unterzogen. Mit authentischen Repliken von Schwertern, Äxten, Morgensternen, Speeren und Pfeilen wurde das Material traktiert. Schwerter und Messer ritzten dabei nur die obersten Stoffschichten an. Auch Äxte und Morgensterne waren nicht in der Lage, die Rüstung zu durchdringen.
... sowie mit Projektilen
Die Wissenschaftler sprechen gegenüber Fernwaffen von einer mit Kevlar vergleichbaren Schutzwirkung. Die kinetischen Energien des Treffers werden auf eine größere Fläche verteilt. So drangen Pfeile aus Bögen mit 45 Pfund Zugkraft maximal 2 cm durch das Gewebe, ein Bogen mit 60 Pfund Zugkraft durchschlug das stärkste, 20-lagige Material 3,5 cm tief was im Ernstfall immer noch zur Lebensrettung ausreichen könnte. Die Schussentfernung wird dabei mit 7,5 m angegeben. Bei gesteigerter Entfernung, beispielsweise 30 Metern, verursachten die Projektile kaum mehr als Kratzer am Material.
Geringes Gewicht, atmungsaktiv
Begeistert zeigten sich die Wissenschaftler auch von der Alltagstauglichkeit ihrer Panzer-Repliken. So wäre das Material atmungsaktiv und würde den Träger auch bei der Ausübung von anstrengenden Sportarten nicht behindern. Durch das geringe Gewicht ergibt sich daraus ein großer Vorteil gegenüber Metallrüstungen.
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